Eine wahre www.heylive.de Lese-Story: Am 31. Oktober 1517 schlug der Augustinermönch Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und wetterte gegen den Ablasshandel: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele …in den Himmel springt“. 1996 wurde die Kirche in der Lutherstadt UNESCO-Welterbestätte. In Becherbach bei Kirn wurde jene Ära mehrfach brillant inszeniert und aufgeführt. Zwar standen im frühen Mittelalter geweihte Kleriker unter besonderem Schutz, und damals wie heute hatte nicht jedes Verbrechen religiöse Motive. Aber es waren andere Zeiten. Ganz andere.

(Foto oben-Becherbach). In Simmere unter Dhaun kamen 1577 bei einem Hexenprozess zwei Giftmorde zur Sprache. Die Simmertaler Magd Katharina („Kättsche“) sagte aus, einen Pfarrer mit Essigkraut, „Frauenkrenk“ vergiftet zu haben. Und sie habe 1571 für die Magd des Rhauner Pfarrers Georg von Hasborn Äpfel und Birnen so präpariert, dass er nach dem Verzehr qualvoll gestorben sei – ihm wurde Ehebruch & Diebstahl vorgeworfen. Die Region ist voller Gerüchte und Mythen. Da ist in der Simmertaler Ortschronik die Dhauner Fehde (1337-1342) gegen Balduin von Trier beschrieben, die Sagen vom Teufelsfels, dem Dhauer Aff oder von dem „Wilhelm zu Heinzenberg“.  (Foto unten Juni 2012 – Mittelalterspiele in Simmertal.   

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In Kellenbach ermordete 1590 Pfarrer Gerhad Entes wegen „Hoffart“ (Hochmut) seine Frau, eine adlige Ex-Nonne. Er zerteilte ihren Leichnam – das Oberteil packte er in einen Rucksack und als der Pfarrer damit aus einem Wingert in Boppard kam, wurden die Leute misstrauisch, weil Fliegen umherschwirrten und sie einen Traubendiebstahl vermuteten. Dumm gelaufen. Entes wurde verhaftet und in Kreuznach auf dem Rad hingerichtet. Pfarrer konnten auch zum Opfer der Justiz werden, wenn sie eine „falsche“ Konfession hatten. Der Lutheraner Laurentius Diekircher musste 1599 das Hunsrückdorf Würrich verlassen, ging ins Hochgericht Hottenbach. Zehn Jahre später sagte man ihm Ehebruch nach, forderte einen Stellenverzicht. Als er erneut den Hottenbacher Pfarrhof betrat, stellte man ihn in eisiger Winterkälte an den Pranger; – er erkrankte schwer und starb an den Folgen.

Oft flogen die Fäuste. In Allenbach, Wirschweiler und Niederbrombach mussten während eines Marktes 1565 in Leisel die Marktwächter mehrere betrunkene Pfarrer trennen. Die Streithähne wurden den „anderen zum Abscheu“ ihrer Ämter enthoben. Im Lahntal kam es zum Streit zweier Pfarrer. Am 16. Februar 1608 erstach Salomo Dietz seinen Nachfolger Jakob Piskator. Dietz hatte 1579 zu den „räudigen Schafen“ gehört –vermutlich ging es um einen theologischen Disput.

In der Nacht des 29. Juni 1725 verübte die berüchtigte Galantho-Bande im kleinen Taunusort Dörsdorf einen Raubmord an Pfarrer Conrad Heinsius und seiner Frau. Ein Jahr später wurde der größte Teil der Bande gefasst und hingerichtet

Ebenfalls einer Räuberbande stand der „Schinderhannes“ Johannes Bückler vor, dem am 11.1.1800 ein Mord in Otzweiler nachgewiesen wurde und dessen Überfälle und Eskapaden auf Schloß Dhaun und Umgebung im Kirner Land 1958 mit Curd Jürgens und Maria Schell verfilmt wurden. Noch heute suchen die Landwirte an der Nahe ihre geliehenen Utensilien wie Pflugkarren, Reff, Butterfass oder Kummet  – Johannes Bückler ging in Bärenbach bei Kirn als Abdeckerknecht bei Wasenmeister Johann Mathias Nagel zur Lehre. 1802 wurde der Hannes gefasst. 211 schwere Straftaten wurden ihm und 94 Mittätern nachgewiesen. Am 21. November 1803 wurde er, 24 oder 25-jährig in Mainz mit weiteren 19 Spießgesellen mit einer Guillotine vor Zehntausenden Schaulustigen hingerichtet. Heute würde man abwertend Gaffer dazu sagen. Damals war es pure Abschreckung. Es war ein verregneter Montag. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Dunnerkeil, die Wuch fängt verdammt schlecht aan“. Heute gibt es noch Schinderhannes Höhlen, Brot und Hütten –obwohl sein 200.Todestag 2003 mit über 200 Festivals und Veranstaltungen gefeiert wurde, gehen Erzeuger, Firmen oder Fabrikanten mit dem Begriff „Schinderhannes“ sparsam um. Der Robin Hood vom Hunsrück war ein krimineller Schwerverbrecher.

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