Tausende kamen. Man hätte leicht einen Bus aus Meddersheim, Merxheim, Monzingen und Martinstein voll bekommen, die mittlere Nahe war auf dem Beller Markt 2026 ganz stark vertreten. Das Wetter spielte mit, keine Hitze, bedeckter Himmel, kein Regen – die Markkaufleute loben in den Ferien „ideales Marktwetter“. Für viele ist der Beller Markt jährlich einer der umsatzstärksten im Jahr, aber Horst Lanz, den man aus Kirn und Hochstetten kennt, blieb auf seiner leichten Kopfbedeckung und „Strohhüten“ bei „nur“ 20 Grad sitzen.

Bei Volksfestatmosphäre und beim Kommunalen mittwochs-Frühschoppen im Festzelt, der diesem Namen mit Verwaltung, Polizei, Bundeswehr und Repräsentanten querbeet aus Politik und Gesellschaft gerecht wurde, erntete der Ortsbürgermeister Manfred Kochems laute Beifallsstürme: Immer neue Auflagen stellten die Organisatoren vor immer größere Herausforderungen. „Mit jeder neuen Auflage steigen die Kosten, hinzu kommen Teuerungsraten – ich bin gespannt, wie lange wir das noch stemmen, das Volksfest in Oberwesel ist schon kaputt und abgesagt“, rief er aus. So sah man sich gezwungen, 2025 die Parkgebühren anzuheben. 4 Euro sind happig, in diesem Jahr wurden die Standgebühren der 400 Marktkaufleute, Schausteller und Gastronomen erhöht: „Wir haben keine andere Wahl. Nur so können die organisatorischen Kosten gedeckelt werden“ wird Marktleiter Andreas Bauer zitiert. www.heylive.de unterstützte den Losverkauf der „Vortour der Hoffnung“ und informierte sich über den Top-Zustand der Bundeswehr über Rheinmetall und den Dingo 2 (Foto).

Der Markt zu Bell wurde in der Kastellauner Marktrechtsurkunde von 1828 jeweils auf „Mittwoch nach Jacobi“ festgesetzt. Über 700 Jahre ist er ein Schmelztiegel und Abbild der Gesellschaft. „Früher“ wurden über 2000 Tiere aufgetrieben, Viehhändler kamen sogar aus Ostpreußen. Heute kauft „König Kunde“ von Ebay-, Amazon-, Temu- oder Shein & Co. die „Katze im Sack“ und macht sich über Nippes im Glückspack einen Joke. Der Beller Marktplatz war im 17. Jahrhundert die Richtstätte und der Galgen des Amtes Kastellaun. Die Urteilsvollstreckungen lockten die Bevölkerung an, Händler und Wirtsleute sahen ein gutes Geschäft. Bekanntlich ist des einen Tod, des andern Brot…. Der bekannteste Hexenprozess betraf die Elisabeth von Roth. Sie wurde am 20. Juli 1629 zum Tode verurteilt und am gleichen Tage auf dem Marktplatz in Bell enthauptet und verbrannt. Zu dieser grausigen Hinrichtung kamen viele neugierige Menschen aus der Umgebung, viele „maijten“ auf dem „Tagesmarkt“ bei mitgebrachtem Essen, der mangels Licht bei Einbruch der Dunkelheit beendet war.

Foto oben: 2026 schlug unüberhörbar die Stunde von einem Dutzend Marktschreiern und kulinarischen Schatzsuchern oder : Der Keks-Ronny mit Milka war da, Blumen aus Holland, Moni Makkaroni mit Nudeln, LKWs mit Früchten, Obst und Käse; – Herz, was willst du mehr? Da wurden über 6 Kilogramm Salami und Schinken vom Food Hunter für 25 Euro verhökert. Ein Schnäppchen für die Besucher bei pikanten Sprüchen unterhalb der Gürtellinie: „Alles gestohlen in Polen… ohne Licht und Lieferschein, holen wir nachts die Ware rein…“   

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