Bockenau. FIRMENPORTRAIT: >>In dritter Generation im Familienbesitz gehen Thomas und Sabine Scholl 2026 voller Optimismus und Zuversicht ins 66. Jahr! Thomas Scholl ist heimattreu und „unverwüstlich“; – er sieht immer das Licht hinter den Regenwolken am Horizont und er versorgt zu allen Zeiten seine treue Stammkundschaft.

Rückblick: Vor 40 Jahren titelte der Hamburger „stern“ in einem flammenden Plädoyer und Hommage an die Metzgerzunft: „Meiner war der Beste“ – damals schon begannen die „fetten“ Jahre zu sinken, dann kam BSE und der Online-Handel mit Discountern und Supermärkten und ruinösem Preisverfall, wo „mit Speck nach dem Schinken geworfen wurde“, sprich mit essbaren Schnäppchen Kunden in die Läden gelockt wurden. 2020 dann die Covid 19 Pandemie, alles was den handwerklichen Unternehmergeist in der Struktur-und finanzschwache Naheregion nicht beflügelte. Kreisweit sind Schlachtstätten rar – in vielen Gemeinden an Nahe und Glan gibt es weder ein Glücksschwein noch eine Kuh im Ort. Ochsen ja. In Kirn mit über 8.500 Einwohnern existiert kein inhabergeführtes (Kirner-) Fleischer-Fachgeschäft mehr (vor 45 Jahren gab es derer noch 7!). Wie es in Bad Sobernheim weiter geht, ist ungewiss…aber Thomas Scholl hält in Bockenau die Fahne der Zunft im 66. Jahr hoch.

(Bockenauer Urgesteine.li. Bernhard, re. Sohn Thomas). Der Senior ist im August 1932 geboren, er absolvierte im Juli 1956 bei der Handwerkskammer in Frankfurt am Main seine Meisterprüfung. Sohn Thomas wurde 1960 geboren, in dem Jahr, als das Ehepaar Ilse und Bernhard Scholl in Bockenau, Im Striehl 1, den Schritt in die Selbstständigkeit wagten – auch er legte im Juni 1982 in Frankfurt im 241. Lehrgang bei der Fleischerschule Heyne seine Meisterprüfung mit Diplom ab.
(Fotos oben 2020) Wie war das damals vor sechs Jahrzehnten? Bernhard Scholl erinnert sich lebhaft gern und mit glänzenden Augen an seine Lehre, Gesellenzeit und Wanderjahre: Bei Peter Dhonau in Bad Sobernheim begann er 1947 seine Ausbildung. Als Geselle und Meister war er in mehreren Betrieben bis Waldalgesheim und Bingen tätig. In Kirner Metzgereien, etwa bei Frau Dillenberger, Lamberts, bei Arthur Hunsinger oder August Glocke arbeitete Bernhard Scholl: „Überall habe ich mir das Beste angeeignet, quasi mit den Augen gestohlen, wie es der Volksmund sagt – ich pflegte das Gespräch mit Kunden und war Metzger mit Leib und Seele“, erinnert sich der 93-Jährige. Seine Frau Ilse, eine geborene Litzenberger aus Hennweiler, lernte er Mitte der 1950-er Jahre beim Kirner Andreasmarkt kennen. In Bockenau kaufte das Paar nach ihrer Hochzeit am Platze im Striehl 1 ein antiquiertes Metzgerlädchen und eröffnete am 1.1. 1960. Im Laufe der Jahre hatte sich seine Frau Ilse auf kalte Büffets, Häppchen, neudeutsch „Fingerfood“, spezialisiert. Bernhard Scholl legte größten Wert auf höchste Qualität aus eigener Schlachtung, kaufte überwiegend bei Landwirt Reinhold Kessel aus Rehbach nur bestes Schlachtvieh – aufgrund eines außerordentlich guten Betriebsklimas blieben die Mitarbeiter dem Betrieb sehr lange treu. Bis heute wurde dreimal umgebaut, modernisiert und investiert.

Dem Slogan „Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt Soo-Nahe“ oder „Wer weiter denkt, kauft näher ein“, kann Thomas Scholl viel Wahres abgewinnen. Scholl ist Soo-Nahe Mitgliedsbetrieb von Anfang an. Die Zusammenarbeit mit dem Forstamt Soonwald in Entenpfuhl und dem dortigen Wildlädchen floriert tadellos, unterstreicht er. Das größte Kompliment für den Familienbetrieb kommt neben der Nachbarschaft und den Bürgern, die stolz auf ihre Fleischerei als Institution im Ort sind, auch von auswärtigen Kunden.
>IM DETAIL: Die Landmetzgerei Scholl ist seit 46 Jahren ein zertifiziertes Fleischerfachgeschäft, seit 2011 mit der Nummer „DE-RP 11016 –EG“ als EU-Fleischzubereitungsbetrieb zertifiziert und zugelassen, in vielen Märkten der Region ist der Betrieb mit Wurst- und Schinkenspezialitäten vom Wild als Direktlieferant gelistet. Der Handwerksbetrieb Scholl in Bockenau produziert an die 200 Fleisch- und Wurstspezialitäten und hat 120 verschiedene Konserven bis hin zu den Wild-Fertiggerichten wie veredeltes Rehfilet, der Wild- oder der Reh-Bolognese mit Trüffelaroma im Sortiment: Dutzende regionale Winzer, Soo-Nahe Mitglieder, Anbieter oder Selbstvermarkter, zahlreiche Regio-Märkte in Bad Kreuznach, Imbissstände oder „Heiße Kisten“ werden beliefert.

