Monzingen. Maßlos enttäuscht sind Florian Fell und Martin Müller: „Die Firma ist bewusst seit zehn Jahren abgewirtschaftet und gegen die Wand gefahren worden. Nix wurde erneuert, noch mit Braunkohle und einer Mietanlage geheizt, zuletzt gab es Schwarten nur auf Vorkasse. Wir haben Tag und Nacht unsere Arbeit geleistet, jetzt wird auf Zeit gespielt. Niemand kümmert sich, wir haben extreme Einbußen, frühere Mitarbeiter werden krank. Ein Skandal“ – so bitterböse beschweren sich die langjährigen Mitarbeiter der Monzinger Gelatine, der Reinert Gruppe: Die abrupte Schließung der Reinert Gelatine nach kurzem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung am 1.5. 2025 (AG Köln AZ.: 70j IN 15/25) und Kündigung aufgrund insolvenzbedingter Betriebsstilllegung von 60 Mitarbeitenden zum 30. November 2025 schlug im vergangenen August weit über die Weinbaugemeinde Monzingen hinaus hohe Wellen. Zum 31. August 2025 wurden die Mitarbeiter unwiderruflich von der Erbringung ihrer Arbeitsleistung…..und der Einstellung der Produktion freigestellt.

Jetzt wenden sich die Mitarbeiter erneut an die Öffentlichkeit, um Missstände anzuprangern. „Wir könnten alle Beschäftigte vor dem Reinert-Tor mobilisieren“, sagen sie, eine Sauerei sei dies, wie sich um sie gekümmert werde, viele würden krank, weil „auf Zeit gespielt“ werde. Entsprechende Unterlagen liegen www.heylive.de vor. Das Reinert Werk in Monzingen existiert als Produktionsstätte für die Gelatineproduktion seit 1969 und wurde „früher“ kontinuierlich ausgebaut. „Monzinger Gelatine“ war als bekannte Qualitätsmarke ein Begriff in der Lebensmittelbranche.

Florian Fell (links) war 12 Jahre Schichtführer. Martin Müller (rechts) wohnt einen Steinwurf entfernt; – er war 17 ½ Jahre Schichtarbeiter und der bekam von seiner Versicherung mitgeteilt, dass seine „Sache nun als sogenannter `Störfall` gemeldet wurde“, weil eigentlich längst ausgezahlt hätte werden müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette – daher bekommt er seit dem 1. Februar 2026 keine Verzinsung mehr, die sonst monatlich lt. Kontoauszug 152,95 Euro betrug. Es geht um Geld, um viel Geld, in seinem Fall bis dato um über 85.000 Euro. Und an der Tochter der früheren Chefin, einer viel gelobten „grauen Eminenz“, die das Werk aufbaute und sich um die Mitarbeiter fürsorglich kümmerte, lassen die früheren Mitarbeiter kein gutes Haar, gelinde gesagt. Leistungsstark. Kompetent. Sicher. – so klang einst die Firmenwerbung.

Die Bonner Anwaltskanzlei der Firma teilte mit, dass es schwierig sei, „weil die Insolvenzschuldnerin über keine Mitarbeitenden mehr verfügt“ und jeder einzelne Mitarbeitende einzeln bearbeitet werden muss – in das Verfahren ist auch die Abteilung Rechtschutz beim DGB Bad Kreuznach involviert.     

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