Mystischer DISIBODENBERG: Mit Sicherheit hat ihr himmlischer Vater die Heilige deutsche Benediktinerin Hildegard als Multitalent, Autorin, Komponistin und Seherin gefördert, gefordert und ernährt; – aber, wie war das damals? Wie war ihr Tagesablauf in einer eigens dafür gegründeten und beengten Frauenklause auf dem Disibodenberg, wo am 1.11.1112 drei Frauen, die 20-jährige Jutta von Sponheim, Hildegard im Alter von 14 Jahren und eine weitere Jutta einzogen und 40 Jahre blieben? Ab 1100 prägten Benediktiner rund 150 Jahre lang den Berg, gefolgt von den Zisterziensern. Sie wirkten „untypisch“ auf dem Berg weitere 300 Jahre, bis das Kloster 1559 nach der Reformation aufgegeben wurde. Das Leben der Mönche war geprägt von strengen Regeln und festen Abläufen – wobei Mönche mit Priestern und deren Seelsorge nix gemein hatten. „Ora et Labora“ („bete & arbeite“) kennt man. Vieles ist heute kaum vorstellbar. Bei einem Rundgang auf den Grundfesten wurden auf einer Zeitreise die vergangene Welt, der Tagesablauf im Kloster, Kleidung, Speisen und Arbeitsbereiche authentisch dargestellt und lebendig. Die Themenführung am 25. Juli ´26 übernahm Gabriele Wahn, eine sympathische Kölnerin, die seit zehn Jahren in Meisenheim am Glan lebt. (FOTO oben).
Fakt ist, dass der Zusammenfluss von Nahe und Glan bereits bei den Kelten & Römern ein heiliger Ort war. Der Name Disibodenberg geht zurück auf den iroschottischen Wandermönch Disibod, der zum Zwecke der Christianisierung um 650 ein kleines Kloster gründete. Um 1100 übernahmen es zwölf Bendediktinermönche, 1108 begann der Bau der mächtigen und imposanten Klosteranlage. Der Mainzer Erzbischof war nach dem Papst der wichtigste und mächtigste Mann, insofern war die drei Hektar große Anlage in exponierter Lage eine pure Demonstration der Macht und für damalige Verhältnisse so gigantisch wie der Dom zu Mainz.

Fakt ist auch, dass alle kundigen Besucher restlos von den 25 angeordneten Bauten und deren epochale Geschichte und Epoche tief beeindruckt waren, und das Areal „bedauerlicherweise touristisch unter Wert quasi brach liegt“. Kernsätze waren: Benedediktiner-Regeln sind heute noch Up to Date und werden angewandt, während die Zisterzienser meist im Tal siedelten und wirtschaftlich cleverere und eine sehr erfolgreiche Spezies waren, vereinfacht interpretiert. So wurden zwei beachtliche Großbauten, das Abteigebäude und das dreigeschossige Hospiz im 14. Jhd. gebaut. Es war kein Hospiz im heutigen Sinne, sondern ein Multifunktions-Gästehaus auf drei Ebenen mit drei Schornsteinen. „Mit Sicherheit war dies quasi der Vorläufer der heutigen Felke-Seniorenresidenz“, sagte Gabriele Wahn. Die Körperpflege, Hände und Füße waschen, wer mit Kranken arbeitete, war Pflicht.

Während Lehmpastor Emanuel Felke (1856 – 16.8.1926) auf die klassischen Elemente Licht, Luft, Erde und Wasser setzte, und der in seinem 100.Todesjahr 2026 in der Felkestadt gefeiert wird, sind bei Hildegard von Bingen (1098- 17.September 1179) „6 goldene Lebensregeln“, basierend auf ganzheitlicher Naturheilkunde überliefert: Lebensmittel als Heilmittel, die Heilkraft der Natur, Bewegung & Ruhe, Reinigung & Entschlackung, Stärkung der seelischen Abwehrkräfte, sowie ausreichend gesunder Schlaf als beste Medizin und kostenlose Kraftquelle. Bleibt festzuhalten, dass ab dem Jahr 1730 die Bürger aus Odernheim und Staudernheim den Berg als Steinbruch für Neubauten nutzten und anno 1.800 Napoleon sich den Disibodenberg unter den Nagel riss und für seine Kriegskasse versteigerte. Heute befindet sich die 20.000 m² große Anlage im Besitz der privaten Disibodenberger Scivias Stiftung und seiner Ersten Vorsitzenden Luise von Racknitz, wo am Fuße des Berges im Museum mit Zeitstrahl wertvolle Exponate aus zwei Jahrtausenden ausgestellt sind.
>>>Im Anhang lesen Sie zwei weitere www.heylive.de PDF Dateien aus dem Jahre 2018 als Publikation aus dem Buch „Meine Zeit mit Euch“.

