Nahe/Glan. REGION. Überall das gleiche Bild: Kerwe und Feste sind rückläufig, Brauchtum und Kultur und damit der humane Zusammenhalt über Generationen hinweg geht mehr und mehr flöten und den Bach ´runter. „Es muss sich rechnen“ ist oberste Maxime. Die Gastronomie schwächelt, Bürokratie und die Kosten (Gema, DJ, Musikband, Gebühren, Security, Infrastruktur wie Strom, Standgeld, Sitz-Garnituren etc.) und damit die Preise steigen für Lieschen Müller & Otto Normalo ins unerklärliche und ins beispiellose, während bei der Klientel, die den Kerwerummel liebt, das Geld nicht mehr reicht. Ist so. Open-Air Events sind witterungsabhängig – Jubiläen, Sportfeste, WM, EM oder Benefizveranstaltungen sind „on top“ Konkurrenz. „Viele Hunde sind des Hasen Tod“, weiß der Volksmund.
In Kirn hat der in den siebten Himmel und über den grünen Klee geadelte Festwirt unter dem Brauerei-Schornstein nach der Premiere den Bettel hingeschmissen – „anstrengend, heiß, aber geil“ wird selbiger nach der Kirner Kerb 2025 zitiert. Jetzt ist die „Offene Flamme“ erloschen, die Euphorie verflogen. Eine hohe Fluktuation ist auch beim Meisenheimer Brunnenfest zu beobachten, wo mitten in der Stadt feste gefeiert wird und in der Heimbach die Standbetreiber und Schausteller in die Röhre gucken, ihre Kunden lieber ins Schwimmbad gehen und die Stände kein auskömmlich-kostendeckendes Einkommen haben.

Aber wie geht es 2026 in Bad Sobernheim weiter? Wer hat den Hut auf? Ungewissheit allerorten, Planungssicherheit fehlt. 2025 war die Krönung: Der Bär steppte beim HSV-Turnier mit über 200 Mannschaften im Staaren. Und beim kommunalen Frühschoppen war der Festwirt am Zapfhahn auf dem Johannisplatz, -anders als sein Kollege in Kirn-, zu keinem Statement bereit. Was hätte er sagen sollen? Er verzichtete im Biergarten bei vollbesetzten Reihen mit fünf-Mann-Band (Filsbacher) beim stark besuchten kommunalen Montags-Frühschoppen gänzlich auf eine Bedienung. Ein absolutes No-Go. Das kann nicht gut gehen. Da ist Ebbe in der Kasse von vornherein fix. Zugegeben: Mindestlohn ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig und belastet die Betriebe immens – aber was wäre eine Alternative zu Akkord-, Sonntags-oder Nachtarbeit?


Foto oben: Werbung – Ansgar Götz war 2025 Festwirt in Bad Sobernheim. Der Kreuznacher Schausteller-Vorsitzende Ralf Leonhard beklagte, dass die Kerb sich selbst überlassen bleibt, aus dem Umland wenig Gäste zu erwarten sind; – trotzdem: Die Schausteller kommen gerne in die Felkestadt – die Familien Werner Marx, Peter Gräff, Thomas Roßkopf, Hans Moser oder Hummelich´s sind seit Jahrzehnten mit von der Partie. Judith Hummelich von der Mandelbrennerei liebt lieber kleinere Kerwen mit Wohlfühlatmosphäre: „Wenn ich mit drei Süßwarenständen auf der Sowwerummer Kerb bin, ist das kontraproduktiv“, sagte sie auf gezielte Nachfrage von www.heylive.de. Für sie mit Süßigkeiten sollte es nicht so heiß sein, für Ralf Leonhard mit seinem Eis- und Softeis kann es nicht heiß genug sein. Was die ganze Bredouille trefflich beschreibt.

