Bad Sobernheim. Die Praxis von Dr. Willett in der Friedhofsallee No. 5 ist seit dem 1. Juli geschlossen, und so war die Mobile Arztpraxis in der Felkestadt schon am ersten Tag mit 19 angemeldeten und einer spontan vorbeischauenden Patientin sehr gut besucht: „Wir schicken keinen heim, es sei denn, er muss etwas Wartezeit mitbringen“, informierte Rainer Saurwein, der Leiter der Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Mainz.

Das deutsche Gesundheitswesen und die medizinische Versorgung mit überlastetem Personal krankt und liegt auf der Intensivstation: Fachärzte heben den Telefonhörer nicht ab, neue Patienten bekommen keine Termine, ganz schlimm ist es beim Frauenarzt oder in der Urologie bestellt, wo aus einer Bad Kreuznacher Gemeinschaftspraxis gemeldet wird, dass Security hinzugezogen wird. Die Gründe sind primär chronische Unterfinanzierung, Dauerbelastung und massiver Fachkräftemangel seit Jahren, „die umliegenden Hausarztpraxen sind völlig überlastet und können keine Patienten mehr aufnehmen“, informierte der in Heinzenberg gebürtige und auf Schloß Dhaun aufgewachsene Rainer Saurwein. Um Brennpunkte und Versorgungsengpässe zu überbrücken, sei die Mobile Arztpraxis vor zwei Jahren von ihm und der KV Rheinland-Pfalz etabliert worden. Es gehe nicht um die Notfallversorgung, die sei jederzeit gewährleistet, aber die dauerhafte Patientenbetreuung sei Zielsetzung überall da, wo sie benötigt werde. Dieses deutschlandweite Modell sei nicht kostendeckend, aber die Vertreterversammlung der KV habe zugestimmt, die Defizite aus den Mitgliedsbeiträgen zu decken. Häufig werde vor Ort die optimale Auslastung nicht erreicht, auch sei es kein Instrument, was den Ärztemangel beseitige.  

 Die medizinische Fachkraft und Arzthelferin Bianca Mees (von links), Arzt Peter Bunders, Rainer Saurwein von der KV und Stadtbürgermeister Roland Ruegenberg beim Start der mobilen Arztpraxis am Bürgerhaus „Alte Grundschule“.

Patienten die sich bei der Mobilen Arztpraxis anmeldeten, seien von mehreren Arztpraxen abgewiesen worden:  „Helft uns, entlastet uns“, so habe der Hilferuf aus der Felkestadt an die KV gelautet. Stadtbürgermeister Roland Ruegenberg sagte, er sei mit potentiellen Hausärzten und Spendern im Gespräch. (Wir berichteten). Auch wenn dank der Bürkle-Stiftung die 100.000 Euro Anschubfinanzierung abgerufen werde, seien der Start und der Aufbau eines Patientenstamms nicht leicht.

Bis dahin ist die Mobile Arztpraxis montags und mittwochs von 7 bis 16 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Bürgerhaus „Alte Grundschule“ in der Ringstraße 6 mehr als eine Notlösung oder der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“. Bereitschaftsarzt Peter J.G. Bunders fährt seit zwei Jahren durch die Lande. Und auch wenn die Medizin weiblicher werde, sei die Belastung extrem, auch weil das System hektischer, bürokratischer und arbeitsintensiver werde. Eine ärztliche Videosprechstunde wird zusätzlich angeboten, Arzthelferin Bianca Mees wünschte sich, dass die Patienten ihr Versicherungskärtchen, die Krankenakte, Vorbefunde und die Medikation bereithalten.

>>>Präsenz-Terminbuchungen sind online unter www.kv-rlp.de/707070 oder telefonisch während der Servicezeiten unter 06131 326 1202 möglich.

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