„Will die AfD die Demokratie von innen zerstören?“, ist ein AfD Verbot in erster Linie Selbstzweck für etablierte Parteien? Fragen über Fragen. Die Hürden für ein Parteiverbot liegen hoch. Gerade hat in RLP, im Hotspot-Stammland der Demokratie, die AfD ihren Fraktionschef Jan Bollinger geschasst, Nachfolger ist ein 60-jähriger Ex CDU Staatssekretär und Ex-Amtschef der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in Berlin, Michael Büge. Erklärtes Ziel: „Einen Rechtsruck wird es mit uns nicht geben“. Niemand bestreitet, dass die AfD aktive Verbindungen zu Rechtsextremen hat. Aber gewählte Parlamentarier, Volksvertreter, dürfen fürderhin nicht wie Aussätzige isoliert betrachtet werden, frei nach F.J. Degenhardt: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, denn: Von den Zahlen her ist die AfD längst eine Volkspartei und in der Opposition einer wehrhaften Demokratie angelangt. Dies gilt es zu respektieren. Ihr Aufstieg offenbart die Schwäche anderen Parteien. Erinnert werden darf in diesem Kontext an die Grünen 1979, die am 14. Mai 1993 in Leipzig (B 90/Die Grünen) im Bündnis und in Turnschuhen mit Strickzeug ihren Siegeszug antrat. Die Welt ist nicht untergegangen.

Es ist ein Stimmungsbild vom 22. März 2026, bei der jede Stimme zählt(e)! Wenn die Bürger offen und nicht geheim wählen würden oder müssten, wäre vermutlich das AfD Ergebnis mehr als halbiert, viele Wahlzettel aus Frust durchgekreuzt, ungültig. Ein Kreuz mit dem Kreuz. Die Zunahme der Wahlbeteiligung auf über 68 % lässt indes darauf schließen, dass an der Wahlurne der mündige Bürger einmal mehr seine Duftmarke da setzte, wo es dem Establishment weh tut. Menschen haben sich abgewendet, ballen die Faust in der Tasche. Wut und Enttäuschung bricht sich Bahn. Fehlendes Vertrauen, ein Gefühl, übertölpelt, nicht gehört oder falsch verstanden zu werden und keine Heimat mehr bei den „Altparteien“ zu finden. Anders als „früher“, als es noch investigativen Journalismus gab, hält sich auch die schreibende Zunft relativ bedeckt, wenn alles glattgebügelt und an das Ehrenamt appelliert wird, während sich jene Großkopferten, Polit-Manager und Lobbyisten vermutlich die Taschen füllen.

Gretchenfrage: Ist aufgrund des spezifischen Wahlergebnisses die Schieflage im himmelblauen Kirner Land bezeichnend, und/oder warum ist das so, wenn ein „Geschmäckle“ das andere ablöst? Und was, wenn die AfD-Fraktion mit sechs Sitzen im VG-Rat Kirner Land einen tollen Job erledigt, den die Bürger mittragen? Wird die AfD nicht auch von der CDU im EU-Parlament gebraucht und hofiert? Es empfiehlt sich für jeden Staatsbürger, Ratssitzungen zu besuchen und sich selbst ein eigenes Bild zu machen. In Kirner Ratsstuben ist jedenfalls bis dato von Hass und Hetze seitens der AfD wenig zu spüren – auch Neofaschismus steht nicht auf der Agenda.

