Bad Sobernheim. „Unter dem Kreuz“ – die Konzertaufführung Stabat Mater des 1944 geborenen Sir Karl W.P. Jenkins avancierte als ein epochales Werk in der proppenvollen Matthiaskirche am Gründonnerstag zu einem außergewöhnlich- grandiosen und gesellschaftlichen Ereignis weit über Kreisgrenzen hinaus. Stabat Mater ist ein multikulturell-christliches Highlight in 12 Teilen und wurde zur Todesstunde des gekreuzigten Jesu, nachmittags um 3 Uhr am Karfreitag, in der Johanneskirche in Idar-Oberstein und am Abend in der Abteikirche in Offenbach-Hundheim vor vollbesetzten Reihen aufgeführt: „Ein Kraftakt ohnegleichen – aber vollbesetzte Reihen beflügeln“, freute sich Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel.
Die Chorinitiative Sobernheim (CIS), die Kantoreien Obere Nahe und Idar-Oberstein brachten mit den gefeierten Solistinnen Maryam Akhondy (Gesang) und der Mezzosopranistin Myriam Lißmann, dem Instrumentalisten Esmaeil Pirhadi und dem Klassik-Pianisten Thomas Layes sowie dem Westpfälzischen Instrumentalensemble und dem Percussionsemsemble Achim Seyler über 70 bis in die Haarspitzen motivierte Stimmen und Künstler ins Gotteshaus, die Großartiges mit Bravour meisterten.

Stabat Mater fußt auf einem mittelalterlich-lateinischen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert und beschreibt sinnbildlich, wie Maria in wehklagendem Schmerz unterm Kreuz aushält, klagt und hofft. Im Fokus seines künstlerischen Schaffens verbindet der Waliser Jenkins traditionelle Formen mit zeitgenössischer Klangsprache und Einflüssen verschiedener Kulturen, womit er gerade in der Passionszeit in diesem Genre zum innehalten und zur stillen Besinnung einlädt und international Beachtung fand. Kurzweilige Schriftenlesungen über die Gottesknechtslieder im Buch Jesaja, der Johannes-Offenbarung („Siehe ich mache alles neu“), dem Karfreitags-Segen (2. Korintherbrief) oder Gebete von Dietrich Bonhoeffer und das Vaterunser trugen die Pfarrerin und Birgit Herrmann vor. Und wie zu allen Zeiten hörte man ein flammendes Plädoyer für den Frieden und gegen die Kriege in der Welt in iranischer Sprache von Bahare Rajabi und in Ukrainisch von Andrii Lavrys. „Gott, schau nicht weg!“.

Unter dem Kreuz in der Matthiaskirche: „Das überkulturell-mehrsprachige Werk zusammenzuführen war die Herausforderung – dem Komponisten waren die Sprache und die Musik zu Zeiten Jesu Christi wichtig. Unsere Musik muss die Herzen der Menschen erreichen und das ist uns vortrefflich gelungen“, freute sich ein kongenialer Kirchenmusiker Roland Lißmann. Entfesselnd und leidenschaftlich brillant- durchdringend und voller Inbrunst zelebrierten die in Teheran gebürtige Maryam Akhondy und Myriam Lißmann ihren Part und sorgten für melancholisch-herzzerreißende Gänsehautmomente. Sie wurden am Ende des Tages mit dem Ensemble und mit stehenden Ovationen und minutenlangem Beifall gefeiert. Monatelange und filigrane, authentische Proben wurden reich belohnt. „Solch ein brillantes Konzerterlebnis ist unbeschreiblich“, lobten die Zuhörer und gratulierten Kirchenmusiker, Kreiskantor und dem musikalischen Leiter Roland Lißmann, CIS-Interimschorleiter. Der Konzertführer füllte 20 Seiten, die Zuhörer waren jederzeit textlich-aktuell auf dem Laufenden. Chapeau! Ob gesungen in englischer oder aramäischer Sprache, oder im 7.Teil „And the Mother did weep“, die Mutter weinte – Fünfsprachig.

