Becherbach bei Kirn. (Foto oben: Mindestens 23 Windräder sind im Kirner Land und der VG Nahe-Glan geplant (von links: Becherbach, Lauschied, Bad Sobernheim). Mit weniger als 20 Becherbacher Bürgern war der Infoabend über sechsWindenergieanlagen (WEA) auf der Potentialfläche 46 (Bärenbach/ Becherbach/ Heimweiler) deshalb schwach besucht, weil die Bärenbacher Bürger über die DorfApp informiert wurden und in Heimweiler Projektierer WiWi-Consult mit Personal bei einer Versammlung zugegen war. Nach derzeitigen Stand hockt Becherbach am Katzentisch, weil im Vorranggebiet keine Anlage für die Gemeinde geplant sei, informierten der Erste Ortsbeigeordnete Frank Huck und OB Karl-Otto Selzer. (Foto)

Man stehe ganz am Anfang, vieles stehe in den Sternen, unterschrieben sei nix und dass in den 30-seitigen Verträgen höchste Vertraulichkeit und Redeverbot niedergeschrieben sei, irritierte Frank Huck. Ein finanzieller Nutzen könnte ein vergünstigter Stromtarif, Pachtzahlungen für die Grundeigentümer und Einnahmen über die gesetzliche „Wind-Abgabe“ (EEG) sein. Ob horrende und KI-generierte Vergütungen realistisch seien, wisse er nicht.
Sebastian Müller fertigte Fotos aus Becherbacher Sicht (Sportplatz, Gassengraben und Friedhof) an, die den 36 Meter hohen Kirchturm überragen. Die kontroversen Standpunkte der Gegner und Befürwortern wurden deutlich: „Wo soll der Strom herkommen, wenn alle Atommeiler abgerissen werden“, erinnerte Karl-Otto Selzer als Bürger an ständig steigende Belastungen und Kosten wie den Kita-Anbau oder kaputte Straßen. Cornelia Dhonau-Wehner aus Kirn konterte: „Wir können doch nicht unsere Heimat verkaufen, um öffentliche Pflichtaufgaben zu erledigen“ – wir hätten fehlende Speicher und auch wegen der hochsubventionierten Windräder die höchsten Strompreise. Nach Meinung aus Industrie und Experten würden unsere Netze kollabieren, entgegnete sie. Florian Regitz zitierte den Landesrechnungshof in einem Essay des Öffentlichen Anzeiger, weil für den Rückbau „finanzielle Lücken klaffen…- ich trau den Betreibern nicht über den Weg“, sagte Regitz, andererseits sei es nicht fair, die WEA-Bauer für den mangelnden Netzausbau, intelligente Akkus und für die klammen Kassen und das Minus im Gemeindesäckel verantwortlich zu machen, echauffierte sich Regitz. Die Lebensqualität einer intakten Kulturlandschaft und die Abstände zur Wohnbebauung wurden kritisch hinterfragt.
RÜCKBLICK: Während der Info-Veranstaltung wurden Erinnerungen wach; – Bürger blickten 13 Jahre zurück, als nach einer Umfrage die Mehrheit der Einwohner gegen WEA „Auf Katzkopf“ war – und trotzdem der damalige Ortschef Frank Schätzel auf der 119 Hektar großen Vorrangfläche No.20 nicht weniger als 82! Grundstückseigentümer unter einen Hut brachte, um im Vierländereck (Becherbach, Otzweiler, Sienhachenbach und Schmidthachenbach) fünf Windräder zu realisieren. Am 20. Mai 2013 sorgten Rot- und Schwarzmilane für das Aus. Heute hätten sich die gesetzlichen Grundlagen der privilegierten Bauvorhaben geändert, sagte Patrick Klein von der VG Kirner Land. Laut Energieportal der SGD Nord sind im Kirner Land und in der VG Nahe-Glan 23 neue WEA geplant. Bernd Hey.

