Felkestädtische Senioren & Singkreis 60+ zogen lustig vom Leder und lassen "mit Pfiff" den Kaisersaal bei Benefiz-Kabarett in seinen Grundfesten beben - Chapeau!

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Fotos am TEXTENDE - Bad Sobernheim. „Am besten, sie erwarten heute nichts – und genießen alles!“ so stimmten Antriebsfeder Helmut Gebhard von der felkestädtischen Kreativwerkstatt und vom Singkreis 60 plus sowie Moderator Wolfhart Dhonau das Publikum auf einen rasanten Nachmittag voller Höhepunkte im Kaisersaal ein: Mitsingen oder zurücklehnen, zuhören und genießen war angesagt. Das Seniorenkabarett keinesfalls mit einem Gruselkabinett vergleichen - solche geistreichen Wortspiele, Rentner-Witze oder Verwechselungen sorgten für genussvollen Frohsinn und Heiterkeit.

Das Seniorenkabarett „Mit Pfiff“ lief bestens vorbereitet zu Höchstform auf und machte mitreißend und außer Rand und Band ihrem Namen alle Ehre. Am Jubiläumstag „25 Jahre Tag der Deutschen Einheit“ mahnten sie an den Mauerfall: „Lasst ein Stück davon stehen, um stumm daran vorbei zu gehen - damit niemand vergisst, das höchste Gut die Freiheit ist“. Übrigens stammten alle Texte bis auf zwei namentliche Zitate aus der Feder von Helmut Gebhard. Lauthals fröhlich wurden in Memoriam an Udo Jürgens seine beiden Klassiker „Merci Cherie“ und „Mit 66 Jahren“ geschmettert.

Schon mal auf einer Kaffeefahrt gewesen? Nein? Conférencier Wolfhart Dhonau nahm alle in seiner unnachahmlich-fidelen Art und Weise mit. Was er da vom Stapel ließ, hatte Tiefgang und war erste Sahne, denn: „Gut informierte Leute wissen, was Sie längst schon haben müssen. Und bei Fassbier nicht mehr frisch, zieht man dich über`n Tisch!“. Probleme mit den Handwerkern wurden wie „Im Warteraum bei Dr. Schreck“ (Herrlich: Christel Gayer, Waltraut Rudershausen und Renate Görting) beim Schmökern der so genannten „Yellow-Press-Schmöker“ karikiert und glossiert. Der Arztbesuch nahm theatralische Züge an und wurde so wehleidig wie hintersinnig zelebriert, dass sich die Zuschauer den Bauch vor Lachen hielten.

Highlights waren gereimte Kalamitäten und vorprogrammiert, wenn Frau Geheimrat anstelle zum WC zum Wald-Kapellchen gelotst wird. Und: Kennen sie schon „Wohlhabers oder Angebers?“, fragte Dhonau. In Windeseile fegten im Foxtrott und Tangoschritt Hilde und Gerhard Weber als die Geissens über die Bühne und verbreiteten in Perücke und mit Jacketkronen, im Petticoat mit Glamour und Gitter jenen Duft der großen weiten Welt, der die Geissens alt aussehen lassen würde. Im Seniorenstift wurde in einer Hommage an die Pillen gerappt, was das Zeug hält: Traute Zweisamkeit ist, „ganz egal in welchem Alter, als Gewohnheit Zusammenhalter“ auch wenn die Verständigung nur mit gummierten Zettelchen funktioniert, bevor Teller und Tassen fliegen. Musikalisch passte dazu „Aber dich, gibt’s nur einmal für mich“. Und auch die ehrlich gemeinte Frage „Arm und alt oder reich und jung“ wurde so noch nicht gestellt, auch wenn sich Gegensätze anziehen: „Täglich sieht man alte Knaben, die ganz junge Frauen haben“ - Heiner Müller gab als Solist den Sonnyboy und sang „Hamse nicht…eine Braut für mich?“, bei dem der Singkreis 60plus stimmgewaltig und quietschvergnügt den Refrain sang. Übrigens: Garant und musikalisch tonangebendes i-Tüpfelchen war Alleinunterhalter Albrecht Müller. Exzellente Vorarbeit wurde sichtbar, große Plakate kündeten vom nächsten Sketch, und in Windeseile war die Bühne ganz vorne bei den Zuschauern hergerichtet. Teils nahmen sich die agilen Senioren als famose ehrenamtlich Helfer selbst hoch motiviert auf die Schippe und sahen genau hin: „Fremdgehen tun alle Herren, gar nicht mal so gern -  denn das sind solche Sachen, die sie gerne selber machen…“ und dazu erklang als Hit: „Freut euch des Lebens…“.

Heiter und amüsant zog Leni Dickopf „Die Notbremse“, die 77-jährige Brunhilde Berkemann flatterte atemberaubend interessant durch Theodor Storm`s „Hühnerstall“ bevor Maria Staab und Heiner Müller zu Johann Sebastian Bachs Orgelklang Beichtgeheimnisse lüfteten. „Sie“ erinnert sich sehnsuchtsvoll und beichtet immer wieder gern die Verführung eines Jünglings vor 50 Jahren: Pointe war, dass der Knabe von einst ihr gegenüber saß! „Oben klar und unten dicht- mehr will ich heute nicht“, folgerte die Seniorin, bis es am Schluss noch einmal bei Helmut Gebhard und Renate Görting romantisch wurde und nur der Mond zusah… Chapeau! Weitere bravourös Mitwirkende im 30-köpfigen Chor: Ulla Baumgärtner, Ursula Heimer oder Karla Malcharczik, sowie Techniker Peter Klussmeier und vor der Bühne ein fleißiges Helferteam um Alois Bruckmeier.

Schade, dass dies die Jugend und meine weit verheiratete Tochter nicht sehen kann“, bedauerte im Singkreis mittendrin auf der Bühne 90-jährig Elisabeth Lorenz, ihre Nachbarin Ilse Heß wird vier Monate vorher, am 6. Dezember, 91 Lenze jung. Auch ihnen stand die pure Freude ins Gesicht geschrieben.


Kabarett vom Feinsten

Webers tanzen

Im Beichtstuhl

voller Kaisersaal

klasse Atmosphäre