Bürger gegen Windräder: Heftige Diskussionen in Simmertal - Falsche Politik- Speicherkapazität fehlt- "Alle sind Verlierer und zahlen!"- Nur wenige kassieren ab

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Mai 2015 FOTOS unten -Textende. Simmertal. Im evangelischen Gemeidehaus schlugen während einer Info-Veranstaltung zu den geplanten sechs Windenergieanlagen (WEA) im Dreieck Gonrather Hof, Horbach, Weitersborn und Seesbach beidseitig parallel zur L 230 emotional die Wogen hoch. Eine fehlgeleitete Umweltpolitik zwischen Wunsch und Wirklichkeit war heißes Eisen und abendfüllendes Thema, was die Bürger der Region noch lange und intensiv beschäftigen wird. 150 Stühle waren gestellt – bei einer Probeabstimmung nach fast drei Stunden für oder gegen Windräder erhoben sich mehr als dreiviertel der Anwesenden gegen WEA, die zuvor Tacheles redeten und gegen Windräder applaudierten.

Dr. Volker Keller von der Bürgerinitiative Naheland und Pfarrer Gunter Braun begrüßten. Keller monierte seitens der Kommune mangelhafte Aufklärung über Gefahren und Risiken. Braun zitierte aus Publikationen der Nahelandtouristik, in unserer herrlichen Natur die Wanderschuhe zu schnüren: „Ja, wir setzen uns zudem für den Erhalt der Regenwälder ein – jetzt sind auf der Gemarkung gravierende Veränderungen geplant - wie passt das zusammen?“- Braun las aus dem Mitteilungsblatt vom Mai 2016, wo die Bürgermeister Müller und Speh im gesamten weiteren Verfahren Transparenz und Öffentlichkeit propagierten: „Wir als Kirchengemeinde wurden angeschrieben, sind direkt betroffen – wir haben vier Äcker in der Pampa und wissen dank der Firma Gaia jetzt, wo sie liegen. Eines davon soll bebaut werden mit solch einem Turm“, leitete der Pfarrer vorab in die Materie ein. „Unser Haushalt wäre saniert – wir hätten ausgesorgt. Aber ich als Gunter Braun kann mich nur gegen dieses Vorhaben stellen“.

Bei Telefonaten hätte die neue Betreiberfirma Gaia den Eindruck erweckt, dass ein klares Bekenntnis und Einvernehmen von Bürgermeister Werner Speh vorliege und auch Oliver Kohl namens der VG Kirn-Land Fürsprecher sei. Das so gescholtene wie überraschte Dorfoberhaupt konterte: Es sei bislang seitens der Kommune kein Beschluss mit Gaia gefasst, es habe definitiv keinerlei Absprachen auch nicht über Grundstücke gegeben. Nichts Konkretes gebe es. Außerdem seien im Ortsgemeinderat keine Blödmänner, sondern gewählte Bürger, die in Verantwortung zu ihrer Gemeinde stehen, bekräftigte Speh – für ihn habe das Aus der Kernkraftwerke höchste Priorität.

„Ich finde ihre Informationspolitik unseriös und zum kotzen“, rief der Pfarrer dem anwesenden Gaia-Vertreter zu. Braun habe keine vollständigen Flurkarten erhalten, Gaia beschränke sich auf das, was für sie vorteilhaft sei und das kreide er an: „Ihre Informationspolitik ist miserabel und das macht mich wütend“. Wenn er die Argumente gegen die Windräder höre, könne er nicht begreifen, wie man „der Zerstückelung seines Lebensraumes und der Schöpfung zustimmen kann“.

Dann verlas der Pfarrer einen flammenden Aufruf, in dem er die hiesige Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger in Simmertal und Nachbarorten sowohl zum Erhalt des sozialen Friedens wie der wunderschönen Landschaft aufrief. „Nagel den Aufruf an die Kirche!“ erinnerten Teilnehmer an Luthers Thesen der Reformation.

Wie zuvor in mehreren Veranstaltungen der Region, informierten der Staudernheimer Ökologe und Naturschutz Biologe Dr. Michael Altmoos sowie Sylke Müller Althauser aus Argenthal. Nach Aussagen aller Redner war ihr Vortrag unter dem Motto „Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster“ sachlich in Wort und Bild über das Leben mit Windrädern untermauert. Fazit: Wenige verdienen zu viel. Alle verlieren. Speicherkapazität fehlt - Lobbyismus boomt!

Kernaussagen von Altmoos: Windräder-Strom sei „Öko-Un-logisch“ habe keine Grundlast, sei Flatterstrom und ineffizient, weil bereits 30.000 Windräder im Schnitt nur zu 25 Prozent ausgelastet seien, neun Prozent im Strom-Mix und zwei Prozent am Primärenergiebedarf lieferten. „Das Profitsystem ist krank – es gibt wenige Profiteure aber ganz viele Verlierer - hohe Einbußen bei Immobilien und der Touristikbranche. Windräder ersetzen keine Atomkraft“, sagte Altmoos. Das erneuerbare Energien Gesetzkürzel „EEG“ übersetzte er als „Energiewende Erkennbar Gescheitert“.

Sylke Müller Althauser machte aus ihrer Wut und Enttäuschung keinen Hehl: Der ganze Hunsrück sei wegen dem Geldwahnsinn seelenlos geworden und blinke nachts wie Las Vegas. Neben fremden Stadtwerken würden in Ellern österreichische Konsortien Anlagen betreiben und Geld absahnen - es gehe ein Riss zwischen Menschen und Dörfer, sagte sie und prangerte Vogelsterben und Umweltfrevel scharf an: Die Politik verschiebe Konflikte gegen den Willen der Bürger von einer Ebene auf die andere.

In diesem Kontext äußerten namentlich Bürger vom Gonrather Hof bis zum Hühnerhof bei Abtweiler ihre Erfahrungen, Ängste und Unmut über „die Verbrecher und Politgangster in Mainz und Berlin, die uns Bürger übers Ohr hauen und den Strom, der kostenlos ins Ausland abgegeben wird, verteuern“. Die Kreisverwaltung trete nicht für Naturschutz ein – Landrat Diel habe der windigen Wirtschaft mit der Genehmigung bei Pferdsfeld ein Abschiedsgeschenk gemacht; - Planungsbüros arbeiteten verbotenerweise für Kommunen und Windradbetreiber – es „werden vorsätzlich Falschberechnungen gemacht, um die Anlagen zu realisieren“, äußerten Bürger. „Wieso heißt der Simmertaler Habichtskopf als Hauptvogelfluglinie so, und warum macht Gaia da weiter, wo Juwi wegen Windflaute und Unrentabilität aufhörte?“ war eine Frage von vielen, die der Seesbacher Ortwin Bauer stellte und dort auf der l 230 Eisschlag befürchtete.


Mai 2017 in Simmertal

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