Kyrburg Kirn: Statische Erscheining: Ex-Weltstar und Heldentenor Rene Kollo

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Kirn. In Vorbereitung zu seiner Abschiedstournee 2016 / 2017 gastierte der am 20. November 1937 geborene Rene` Viktor Kollodzieyski als einstiger deutsche Weltstar und gefeierte Heldentenor Rene` Kollo unter dem Motto „Mein Leben und die Musik“ mit Basssolist Lothar Fritsch und der charmanten wie brillanten klassischen Sopranistin Eva Lind auf der Kirner Kyrburg. Für derlei Konzerte ist das Kirner Wahrzeichen mit seinem atemberaubenden Ambiente geradezu prädestiniert.

Rene` Kollo hat seine eingefleischte Fangemeinde, einen exzellenten Namen, und er ist seit 60 Jahren im Showbusiness. Der gebürtige Berliner Tenor entstammt einer legendären Drei-Generationen Musiker-Dynastie (Großvater Walter, Vater Willi), Rene` Kollo hat vor allem mit der Musik Richards Wagners auf allen großen Bühnen dieser Welt Erfolge gefeiert und noch immer ist sein stimmliches Volumen und sein Timbre außergewöhnlich beachtlich. (Wir berichteten mehrfach).

Auf der Kirner Kyrburg waren 19 großartige Melodien, Hits und Evergreens zu hören: „Immer nur Lächeln“ von Franz Lehar aus gleichnamiger, romantischen Operette als Maxime in diesem künstlerischen Metier bildete den Auftakt. Rene` Kollo sang entzückende Passagen von Felix Mendelssohn-Bartholdy oder „Du meines Herzens Krönelein“ von Richard Strauss, „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“, und „Nessun Dorma“ aus Turandot von Giacomo Puccini, das den Telefonverkäufer Paul Pott bei einer britischen Casting-Show weltberühmt machte. Im zweiten Teil plauderte Kollo aus dem wohlbehüteten Berliner familiären Nähkästchen, und es kamen weitere zauberhafte Lieder wie „Immer an der Wand lang“, „Das war in Schönberg im Monat Mai“, „Ich hab eine kleine Philosophie“ oder „Es war einmal“ von Paul Linke zu Gehör. Veranstalter und Solist Lothar Fritsch, ein grandioser Basssänger, der über 50 Opernpartien sang, trug einwandfrei das Solo aus dem Bettelstudent „Und da soll man noch galant sein!“ und von Johann Strauß aus dem Zigeunerbaron das berühmte „Ja, das Schreiben und das Lesen“ mit der lustigen Passage „Mein idealer Lebenszweck – ist Borstenvieh und Schweinespeck!“ vor.

Mit herzlichem Applaus wurde Eva Lind begrüßt, eine Diva ohne Starallüren, die mit dem „Herrn Marquis“ aus der Fledermaus von Johann Strauss die Zuhörerherzen im Sturm eroberte. In mehreren Duetten mit Rene´ Kollo, etwa „Machen wir´s den Schwalben nach“ aus der Csardasfürstin oder „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus „Der Vogelhändler“ und insbesondere bei der lustigen Witwe von Franz Lehar „Lippen schweigen“ wie im nachtigallengleich geträllerten „Frühlingsstimmen Walzer“ von Johann Strauss überzeugte Eva Lind vollends und war ein Ohren- und Augenschmaus. Die gebürtige Innsbruckerin zählt zu den bekanntesten und beliebtesten klassischen Sängerinnen unserer Zeit und war ein echter Hörgenuss für alle Sinne. Das philharmonische Ensemble um den renommierten und erfolgreichen Symphonie- und Galakonzert-Dirigenten Prof. Helge Dorsch begleitete unaufdringlich brillant und perfekt.

Chronistenpflicht: Über ein Drittel der Stühle blieb leer – Kirner machten sich rar. Im Vorfeld hörte man des Öfteren, dass der einstige Weltstar vor 25 Jahren die Stadt hätte besuchen sollen. Die Abschiedstournee begann und endete mit einem Fauxpas: Der auch in unserer Zeitung bekannt gemachte Shuttleservice ab Edeka-Parkplatz entpuppte sich aus Taxi-Pkws mit meist BIR-Kennzeichen, die dem Ansturm nicht Herr wurden, weshalb das Konzert mit 25 Minuten Verspätung begann. Und nach weniger als zwei Stunden appellierten die Zuhörer artig, ohne dass der Funke der Begeisterung übersprang und keine Zugabe gefordert wurde. Ob es am Motto „Sag` beim Abschied leise Servus“ lag? Viele ältere und gesundheitlich gehandicapte Zuhörer waren danach keinesfalls begeistert, gelinde ausgedrückt, dass sie den steilen Abstieg (mangels fehlendem Shuttleservice) zu Fuß hinunter mussten, obwohl ungezählte Pkw-Stellplätze frei blieben. Ein Fleischermeister aus Monzingen mit neuem Knie und Frau Stallmann aus Bad Kreuznach mit neuer Hüfte riefen gestern Morgen empört an und sprachen diesbezüglich von einem „Desaster“.