Julia Klöckner kommt nach Hause auf harte Oppositionsbänke - Berlin ade

Kategorie: Lokale News an Nahe und Glan, Politik, Bernd Hey: Meine Meinung, Merxheim

 

Wiedersehen mit Julia Klöckner Pfingsten 2011 in Merxheim: Ihr unbekümmertes Wesen als eine junge dynamische und taffe Frau, studierte Theologin, Politologin, charmante Deutsche Weinkönigin, Chefredakteurin, all das machte sie überaus beliebt und quasi zum Überflieger. Ein Traum für eine „Miss“, als wenn die Treppe steil in den Himmel führt. Erfolg macht sexy und Neugier euphorisch. Gerne erinnere ich mich an Jugendzeiten wo ich jung und forsch immer in der ersten Reihe war. Und wenn ich hinten war, drehten sich meine Kumpels um, und schon war hinten wieder vorn. JK ist das nette Mädchen von nebenan, Kumpeltyp, sympathisch, eloquent, kann auf Menschen zugehen. Viele mochten oder mögen sie vorurteilslos, ohne Wenn und Aber. Einstein sagte, es sei schlimmer Vorurteile zu zertrümmern, als Atome. Nun hat sie als MdB (seit 2002) und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verbraucherschutz in Berlin alle Zelte abgebrochen. Erstmals hat sie als Parteisoldatin etwas Fremdbestimmtes gemacht, was ihr nicht leicht gefallen ist: JK gilt in der Landes-CDU, Zitat: „..als DER kommende Politstar, Julia Klöckner gilt als Liebling der Kanzlerin Angela Merkel“ (Zitatende: titelte BILD.de), und so setzte sie alles auf eine Karte, Kurt Beck den MP-Posten abzujagen. Chapeau!

Was wäre gewesen, wenn sie die Wahl gewonnen hätte? Weniger als ein Prozentpünktchen fehlte zur  stärksten Fraktion… Ja, was dann? Ich frage meinen Kumpel, was wäre gewesen wenn JK nicht „gelost“ hätte? „Dann fingen doch erst recht die Probleme mit der Altherren-Versorgungsriege an. Nix wäre ein Jota besser. Ich kann nicht verstehen, dass sie aus Berlin weg ist. Da war sie doch anonym. Hier lässt sich Rot-Grün nicht die Butter vom Brot nehmen“, sagt mein Kumpel spontan wie aus der Pistole geschossen.

 

Nun war 950-Jahrfeier in Merxheim, aber es redeten andere. Politik von harten Oppositionsbänken aus kann grausam sein. Öffentlich beklagte sie, dass sie im Landtag „rechts von der rot-grünen Regierung und links von der SPD-Fraktion Feuer bekommt“. JK scheint die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen. In Berlin habe sie parteiübergreifend mit jungen Abgeordneten geklönt, gequatscht, sich ausgetauscht. Dort sei das politische Leben weit, bunt und inspirierend gewesen. Jetzt soll sie als Hoffnungsträgerin einen veralteten Kahn auf Vordermann bringen und die Regierung vorführen? Klar tut Opposition not und muss JK angreifen. Aber opponieren nur um der Oppostion willen ohne Alternativen aufzeigen?

 

Über den Videotext läuft über Pfingsten 2011, dass JK Merkels Richtung in der Atomwende und Griechenland-Bankenkrise für gut heißt und mit trägt, quasi wegen der „Alternativlosigkeit“. Heiliger Strohsack. Abhängigkeit macht blind! Merkel hat schleifen lassen, Zickzackkurs gefahren, und der Schwanz (FDP) wackelte längst mit dem Hund. Merkel ist längst Geschichte bei dem AKW-Tohuwabohu, Desaster in der Gesundheitspolitik und Lobbyismusgeschachere, Bürger sind maßlos enttäuscht. Klare Kante fehlt. Hat JK als erste ein sinkendes Schiff verlassen? Gefühle fahren Achterbahn, immer mehr enttäuschte Mitglieder treten aus CDU und FDP aus- Politik machen andere. Der deutsche Staat und seine Bürger werden durch „EU-Rettungsschirme-Target-2-Salden- Badbank“ und ohne eigenes Zutun vorgeführt, über beide Ohren verschuldet und von der Energie- und Atomlobby ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Otto Normalo und Lieschen Müller zahlen überall zu viel: An der Tanksäule, an der Steckdose, fürs Auto, für Flächenstilllegung, Subventionen …. Um hierzulande wenigstens zu punkten bräuchte JK all die Visionäre und geballte Kompetenz ständig um sich, mit denen sie sich im Wahlkampf schmückte. Aber: Wer schaut schon auf den Landtag im rheinland-pfälzischen Mainz, wo doch das große Rad anderswo gedreht wird.

Wie und warum lässt man ohne Not mit besten Präferenzen solch einen Job in Berlin sausen? Eines ist sicher:   Die 38-jährige Guldentaler Oppositionschefin JK wird ihr Lachen zu Hause bei den Menschen an der Nahe zurück gewinnen, und einen Opferstock für sie braucht man auch nicht aufzustellen. Es sind schon andere vor ihr aus der Politik heraus die Leiter hoch gefallen: Roland Koch, Friedrich Merz und Ole von Beust, Wolfgang Clement und Gerhard Schöder, Hildegard Müller, Rudolf Scharping, Claudia Martini….


Julia Klöckner Pfingsten 2011 in Merxheim