Becherbacher Kultur-& Verschönerungsverein kämpft gegen Windmühlen

Kategorie: Becherbach, Lokale News an Nahe und Glan

 

NACHLESE zu einer gut besuchten Gemeinderatssitzung im Januar 2011 - Kommen Windräder auf "Katzkopf"? - Friedhofssatzung vertagt - Dorferneuerungskonzept stagniert - Bürgerversammlung kommt!

Becherbach. Wie kann man Becherbach attraktiver gestalten und den Ort vor dem Aussterben bewahren? Wie kann dem Dutzend Leerstände als Folge eines dramatischen Strukturwandels im ländlichen Raum entgegengewirkt werden?, und welchen geldwerten Vorteil haben Bürger und Gemeinde von den geplanten Windrädern, wenn sie denn kommen? Diese Fragen beschäftigen die Becherbacher, wie jüngst in einer sehr gut besuchten und harmonischen Gemeinderatssitzung zu hören war. Trotz eines sehr regen und aktiven Kultur-und Verschönerungsverein Becherbach („KuVB“) als Ideenschmiede und zuweilen treibende Kraft beteiligt sich die Ortsgemeinde wiederholt nicht am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft…“. Insgeheim blicken einige im „KuVB“ schon ein wenig neidisch auf Duchroth oder Bärweiler. Wir fragten nach: Woran hapert es, wo hakt es: In Becherbach wird das 1993 erarbeitete VG-Dorferneuerungskonzept ständig fortgeschrieben, zuletzt 2007, und darauf aufgebaut. Nur guckt da keiner rein: „Da steht wie in einem Gebetbuch der Gemeinde auf 64 Seiten alles drin, was eine Bürgerbefragung ergeben hat und was kurz-, mittel- und langfristig oberste Priorität in der Gemeinde hat!“, reagierte jüngst öffentlich und trotzig resignierend Vorsitzender Manfred Schneider. Im Ortsgemeinderat sollte einer neuen Friedhofssatzung zugestimmt werden, obwohl „weder ein Bepflanzungs- noch ein Belegungsplan“ seitens der VG Kirn-Land vorliegt. Das Thema wurde vertagt: Man wolle sich erst einmal auf anderen Friedhöfen kundig machen. Auch für den Ort fehle ein Begrünungsplan, seit Frühjahr 2009 warte die Gemeinde Becherbach auf solch eine Anweisung von der zuständigen VG-Sachbearbeiterin Ulrike Butz: Das hat vorher der „KuVB“ im Ort erledigt, bis ihm diese Tätigkeit untersagt wurde, bedauerte Manfred Schneider. Aktuell stehen 1000 Euro im „KuVB“-Etat für Pflanzmaßnahmen bereit. Übrigens sei alle zwei Jahre im Dorferneuerungskonzept ein Begrünungsplan manifestiert. Nun fürchten die Mitglieder, dass es für 2011 schon wieder zu spät ist. „Es hätte mehr getan werden können, und es gibt noch viel zu tun“, so sein Fazit. Vor drei Jahren beteiligte sich parallel die Dorfjugend an dem Landes-Wettbewerb „Ein Dorf im Wandel“ und erhielt 1000 Euro Preisgeld. „Alles steht und fällt mit dem Ortsbürgermeister, es kommt auf den politischen Willen an!“, sagt Schneider und baut auf „Ob“ Frank Schätzel, der noch jung im Geschäft ist, und die Jugend hinter sich weiß. Die Großbaustelle „Gemeindehaus“ binde finanzielle Mittel.  Eine Internetpräsenz sei sehr wichtig: „Die Jugend ist im Internet unterwegs“, sagt Florian Regitz, der jedes Haus und jeden Leerstand im Ort kennt. 1000 Euro wurden für eine Präsenz mit Immobilienbörse 2007 eingestellt, die Arbeit hätte sollen bis 2009 erledigt sein und ist verwaist, nennt er ein Beispiel.

BECHERBACH IM WANDEL - > DER WIND HAT SICH GEDREHT In Sachen Windräder bleibt bekanntlich in Kirn-Land nur die 127 Hektar große Vorrangfläche, wo gut 90 Hektar auf Becherbacher Grund liegen. Trotz 77 ! Eigentümer hat die Ortsgemeinde „Auf Katzkopf“ Planungshoheit. Seinen Standpunkt gegenüber Windkraftanlagen habe der VG-Chef Werner Müller inzwischen geändert, sagte er auf Nachfrage im Gemeinderat: „Alles wird öffentlich gemacht!“ Bis 2004 habe er zu den Windkraftgegnern gehört. Doch in den vergangenen Jahren habe sich einiges getan, etwa durch technische Fortschritte sowie als potentielle Einnahmequelle. Müller habe seine Denkweise gerändert, er wolle sich der Windkraft nicht verschließen und gab zu bedenken: „Selbst wenn sich Becherbach dagegen entscheidet, wird man nicht verhindern können, dass der Schmidthachenbacher Gemeinderat Windräder auf der gleichen Fläche zulässt“, so Müller. „KuVB“- Vorsitzender Manfred Schneider plädierte im Vorfeld zur anstehenden Bürgerversammlung ähnlich wie bei einer Jagdgenossenschaft öffentlich für eine neue „Windkrafträder-Genossenschaft“, damit alle, Eigentümer und Bürgergemeinschaft, davon profitieren könnten.

Die nächsten Aktivitäten und Termine: In Kürze werden zwei große Alu-Tafeln mit Luftbildaufnahmen über Rad- und  Rundwanderwege am Ortseingang aus Richtung Heimweiler aufgestellt. Darin sind öffentliche Gebäude sowie die Standorte der Agenda-Tafeln im Ort ausgewiesen. Für diese Anschaffung hat der „KuVB“ eigens vor zwei Jahren ein Weiherfest veranstaltet, und eine Spende der Kreissparkasse Birkenfeld erhalten. Der „KuVB“ ist erstmals Gastgeber bei der Kappensitzung am 6. März im neu renovierten Gemeindehaus, ist am 9. April aktiv im Ort beim VG-Umwelttag tätig, und hat am 19.Juni zu Bootspartie und Weiherfest eingeladen.


D.Jakoby, M.Schneider, L.Nagel und F.Regitz

64-seitige "Gebetbuch" der Gemeinde