Ostern 2017 Ältestes Christenfest - Das Geheimnis der Osternacht & Kirche im Wandel: Was sucht ihr die Lebenden unter den Toten? Der Herr ist auferstanden....

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Fotos unten am TEXTende > Becherbach bei Kirn. In vielen Gemeinden ist es mittlerweile liebgewordene Tradition, gemeinsam früh am Morgen die Osternacht zu feiern; - in Becherbach schloss sich dem wichtigsten und ältesten Christenfest zum Ende der Fastenzeit ein gemeinsames Frühstück an, wo die Tische im evangelischen Gemeindezentrum "Brücke" voll besetzt und einladend gedeckt waren. Umarmungen und frohe Osterglückwünsche wie in einer großen Familie waren selbstverständlich und der Geselligkeit förderlich.

Ist Ostern womöglich das neue Weihnachten? Weltlicher Konsum versus christlicher Glaube? Im Vorfeld zum Osterfest 2017 waren Zeitungen, Medien und das Internet voller solcher Essays und auch der Gottesdienstbesuch wurde infrage gestellt. Die Katholen im Bistum Trier wollen die Pfarreien von 887 auf 35 radikal reduzieren. Ist das nicht rückwärtsgewandt? Muss die Kirche, der Priester, nicht als Seelsorger und guter Hirte ins Volk und an die Front und aufgewertet werden? Wie ihre Daseinsberechtigung, wer zahlt für nichts und wann kommt die Einheitskirche?

Für die Christen und Kirchgänger in der Osternacht in Becherbach hatten all diese Fragen keinen Belang, ob dieses Jahr 107 Millionen Schokohasen gegossen wurden und warum es „nur“ 96 Millionen Nikoläuse vor wenigen Monaten waren. Nein. Das erste Vogelgezwitscher vom Gartenrotschwanz, der Lerche, oder der Gesang der Nachtigall am frühen Morgen, die Faszination der Stille und die Finsternis gerade in der Osternacht mit allen Sinnen zu erleben, bis das Osterlicht der Kerze die Nacht erhellt, ist etwas ganz Besonderes: Wie war das damals, als Maria Magdalena und die andere Maria vor dem leeren Grab standen? Und was sucht ihr die Lebenden unter den Toten? So lautete die eigentliche und alles entscheidende Frage, von Pfarrer Friedrich Mayer, denn: Im überlieferten Bekenntnis des Glaubens der alten Kirche, liegt das ganze Geheimnis der Auferstehung in der Taufe! Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!

„Unsere Gedanken gehen weit zurück, ganz weit“, erläuterte er, während Lektorinnen aus der Schöpfungsgeschichte Genesis lasen, als Gott sah, dass das Licht gut war und Tag und Nacht erschuf. Die Erzählungen reichten ins Alte Testament, als Gott durch die Hand Moses das Meer teilte und die verfolgten Israeliten vor den Ägyptern rettete.

Mit der Auferstehung am Ostermorgen, „als der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, beginnt das Präludium einer Zeitenwende und einer völlig neuen Ordnung“ erläuterte in bildhafter Predigt Pfarrer Friedrich Mayer. Der Tag nach dem Sabbat, der achte Tag, wird zum Tag des Herrn, zum Sonnentag für Licht und Leben. Die alte Schöpfungsordnung mit Himmel und Erde, Land und Meer, allem Getier, den Fischen und Vögeln und den Menschen als Krone der Schöpfung war determiniert, mit Verfallsdatum versehen. Denn das Ziel von allem was lebt, das Ende von allem was existiert, ist der Tod. Insofern bringe die Neuordnung seit dem Auferstehungsmorgen „eine gravierende Umkehr, das Leben aus dem Tod, das einer Rakete gleich in neue Dimensionen führt – jenseits der Schwerkraft von Raum und Zeit. Heute Morgen wird dieses Präludium dieser Zeitenwende intoniert“, rief er von der Kanzel aus. Auch die Gesellschaftsordnung werde quasi auf den Kopf gestellt. Denn es sind Frauen Zeugen, die in der patriarchalischen Gesellschaft des Orients bis heute in der Öffentlichkeit nichts zu melden haben und diese Zeit habe es auch in Europa gegeben, verdeutlichte Mayer.

Die Feier der Osternacht mit Abendmahl war symbolisch von der Kirchengemeinde andächtig und feierlich ganz stark inszeniert: Im Wechsel sangen Gemeinde und der Chor der Kirchengemeinde und wurden ebenfalls abwechselnd an der Orgel von Mechthild Mayer und vom bravourös aufspielenden Bläserensemble um Stefan Hausmann begleitet – Zimbelstern und das Kerzenlicht sorgten zudem für festlichen Glanz und österliche Vorfreude. In die Fürbitten eingeschlossen waren alle im Exil lebenden, Kopten, benachteiligte und verfolgte Menschen, aber auch der Wunsch an die Regierenden nach Frieden und Menschlichkeit, Hoffnung und Zuversicht.

Zu den Fotos: Viele Jugendliche waren bei der Feier in der Osternacht mit dabei und erlebten in der Becherbacher Kirche das faszinierende Geheimnis der Auferstehung des ältesten Christenfestes.