MGV Hochstädten brilliert bei zwei Benefizkonzerten mit Osterbotschaft und Rammstein "Engel" - Im Hamsterrad von Werden und Vergehen-öfter nach oben sehen

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Kirn. Warum nicht einmal vor Ostern ein Benefizkonzert für die Kirche singen? Gerade jetzt, wo die Natur kurz vor einer Explosion der Lebenskraft steht, ein besinnliches Konzert? Sollten wir nicht öfters im „Hamsterrad“ Alltagstrott nach Oben sehen? Und wie gehen Erzkonservative mit dem provokativen Text im Lied „Engel“ von Rammstein um, wenn es in der Kirche gesungen wird? Was hält Demokratie aus? Sind bigotte Hardcore- Moralisten oder Bessermenschen mit erhobenem Zeigefinger am Ende die besseren Christen?

All diese Fragen beantwortete der MGV 1900 Hochstädten bei zwei Benefizkonzerten für die Kirchen St. Johannisberg in Hochstetten-Dhaun und die evangelische Kirche in Kirn. Unter Leitung seiner charmanten wie fordernden Dirigentin Ramona Wöllstein und dem MGV Vorsitzenden, Solisten und Rezitator Frank Heilmann schienen die Zuhörer von der ersten Minute an emotional- elektrisiert und fasziniert das Konzert zu verfolgen. Im zweiteiligen Nonstop-Programm mit einem traditionellen und einem zeitgenössischen Teil wirkten die Solisten Emil Burkard, Bariton Stefan Marx, Robert Munstein und mit Violine Annika Knöbel (Odernheim) und Oliver Wöllstein (Gitarre) mit. Nach 18 Liedern und Zugabe hatten die Zuhörer das eher seltene Bedürfnis, jedem Sänger persönlich zu danken, ob mit Zuruf wie Hans Gutschmidt „Chapeau“, mit erhobenem Daumen, oder mit Handschlag und Komplimenten: „Herzlichen Dank“, „Das war einmalig“, „klasse interpretiert“ oder wie Kirchbaumeister Karl-Heinz Buss dankte: „Ich bin angetan und berührt- ein Kunstgenuss allererster Güte“. Wenn man so etwas geboten bekommt, macht auch das Spenden Spaß, sagten viele der über 150 Besucher in Kirn und applaudierten stehend, bevor sie „lautlos“, mehr mit Scheinen, für die evangelische Kirche und den Christlich Ambulanten Hospizdienst ihren Obolus gaben.

Am 5. Sonntag, Judika, begann nach der älteren Ordnung die eigentliche Passionszeit- das Andenken an den Leidensweg Christi. Gerade an Ostern im Frühling, wo „es Gewissheit und eben nicht sinnlos ist, und uns durch Jesus und die Auferstehung das ewige Leben in Gott verheißen ist“- stehe im Angesicht zu Leid und Tod am Kreuz ein besinnliches Konzert nicht im Widerspruch, leitete Frank Heilmann ein, „Das Morgenrot“ von Robert Pracht als Synonym für den Anfang sei Metapher. Gott zwinge uns zu nichts, aber er gibt uns Hilfsmittel in Form von überlieferten Schriften und der wunderbaren Schöpfung, die sich gerade jetzt offenbart, an die Hand. Das Konzert stand unter dem Motto „Singen für Menschen“, für die Liebe die auf Erden alles besiegt: „Die Kraft der Liebe schafft Dinge, die kein Geld der Welt, keine Panzer oder Raketen zu vollbringen im Stande sind. „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Solist Robert Munstein mit Klavierbegleitung wurde gesungen. „Gnädig und barmherzig“, „Sei behütet“ oder „O wie herbe ist das Scheiden“ waren wie Rudolf Deschs metaphorischer „Abendfrieden“ sowie eine Sonate in a Moll von Johann Sebastian Bach ein Fanal, gegen Stress, Bournout oder Depression die Lebensbalance zu finden und weniger „auf die materielle Seite des Lebens zu starren“.

Gänsehautfeeling pur im zweiten, modernen Teil, wo die unberührte Natur mit „Shenandoah“ besungen wurde. Im Kontrast dazu: „Tears in Heaven“ - wo Eric Clapton in einer Ballade den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes im März 1991 aus dem 53. Stock verarbeitete. Rezitator Frank Heilmann fand die richtigen, biblischen und weltlichen Worte und stets den rechten Ton. Selbst sang er kraftvoll und voluminös „Caravan of Love“ von den Housemartins und erntete lang anhaltenden Beifall und lauten Jubel. Ebenso Stefan Marx und Ramona Wöllstein für das Mut machende „You raise me up“.

Das „Lied des Volkes“ gegen Hass und Tyrannei sowie „Bring ihn heim“ aus Les Miserables war den Hochstädter Mannen wie auf den Leib geschrieben. „Engel“ von Ramstein war ein Wechselbad der Gefühle undrüttelte auf: Wie umgehen mit provokativen Texten von Rammstein? Soll etwa ihre Musik keine Kunst sein? „Engel haben Angst, sie sind allein, und sie müssen sich an Sterne krallen, damit sie nicht vom Himmel falln“, heißt es da. Um ein guter Christ zu sein muss man gar ein Engel sein? „Nein- wir müssen tolerant und lebensbejahend mit beiden Beinen am Boden stehen. Wir sind glaubhaft und wahrhaftig, wenn wir Fehler machen. Schließlich schrieb schon Goethe: „…es irrt der Mensch, so lange er strebt“.

Passagen aus dem „Vater unser“ ließen jenen Rammstein-„Engel“- Song in einem ganz anderen Licht erstrahlen - Leonard Cohens „Halleluja“ durfte natürlich nicht fehlen.


Der MGV Hochstädten

mit Chor und Solisten um Leiterin Ramona Wöllstein

in der ev. Kirche Kirn

Dies war die Botschaft