Musterschüler oder Sitzenbleiber? Realschule plus in Kirn ohne Vorbildfunktion!

Kategorie: Schule, Lokale News an Nahe und Glan

 

Kirn. Der Kampf um eine einzige Kirner Realschule plus ist voll entbrannt. Jedenfalls machte Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß im Gesellschaftshaus deutlich, dass die Schulstrukturreform als eine einzigartige Erfolgsstory unumkehrbar ist und aufgrund der Demografie es in Kirn nur Platz für eine Realschule plus gibt. Als Fakt gelte auch in Kirn: 2013 wird es keine Realschule und keine Hauptschule mehr geben: „Sie müssen sich auf den Weg machen, oder sie werden auf den Weg gemacht!“, machte sie unmissverständlich deutlich, für zwei Realschulen gebe es keinen Bedarf.Relativ wenige Eltern folgten der Einladung ins Kirner Gesellschaftshaus, denn gerade auch die Eltern der Viertklässer aus allen vier Grundschulen waren eingeladen. Weil die Kirner Realschule auf Halmen eigenständig bleiben will, hat die Hauptschule auf Kyrau das Heft des Handelns übernommen. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur hat dem Antrag des Schulverbandes Kirn stattgegeben und die Einrichtung zur Realschule plus im jetzigen Hauptschulgebäude auf Kyrau genehmigt. Einziger Knackpunkt: 51 verbindliche Anmeldungen von Fünftklässern für den Start des kommenden Schuljahres 2011/ 2012 vorliegen.

Rektor Harald Schmell stellte im Beisein der Bildungsstaatssekretärin Vera Reiß und Regierungsschulrat Gerhard Schmidt sein Gesamtkonzept mit Wahlpflichtfächern vor, das auch als Flyer vorlag. Hier kann ein Abschluss der Berufsreife (Hauptschulabschluss) ebenso wie der qualifizierte Sekundarabschluss 1 (Realschulabschluss) erreicht werden. Das Projekt „Keine(r) ohne Abschluss“ sehe die Möglichkeit der Fachhochschulreife vor. Es werden keine Fahrtkosten zur Realschule plus fällig, antwortete Schmell auf Elternfragen. Lehrerin Christina Stegemann informierte das Gremium über Kommunikationstraining, Projekte, und eine umfassende Lesekompetenz ab der fünften Klasse, Lehrer Hans-Dieter Siegel über weitergehende Angebote. Hier habe man mit „SoHale“ (Soziales Handeln lernen) mit den Schülern im Umgang mit Mitmenschen in Schulen, KiTas und Seniorenheimen beispielhafte Erfolge erzielt. Auch die Zusammenarbeit mit der Gewerbeinitiative Kirn („GiK“), der Arbeitsagentur, mit Sozialarbeitern und Lehrern in punkto intensiver Berufsorientierung mit Bewerbertraining und mittwochs einem ganzjährigen Praxistag ab dem 8. oder 9. Schuljahr sei mit Kammern und Betrieben abgesprochen und vorbildlich, sagte Siegel. Stichwort Lehrermangel: „Zu uns in die Provinz will keiner“ und „Gibt es an der Nahe schon Internet?“ wussten Schmell und Schmidt unisono. Der Regierungsschulrat berichtete von vielen Referendaren und Lehramtsanwärtern, 14 Planstellen habe man in der Region besetzen können. Nichtsdestotrotz werde man aufgrund des Lehrerschlüssels und der Klassenmesszahl in den Klassen fünf und sechs auf maximal 25 Schüler für jeden lernschwächeren Schüler genügend Zeit haben, individuell auf seine Bedürfnisse einzugehen. Es stimme nicht, dass das Niveau der stärkeren Schüler abfalle. Kernaussage der Staatssekretärin dazu: „Schüler in der Schule fördern, wo sie sind“. Dies sah Rektor Joachim Franzmann von der Hellbergschule genauso: „Es muss aufgeräumt werden mit der Mähr, dass das integrative Schulsystem per se schlechter ist, als das gegliederte Schulsystem. Es kommt auf die Qualität der einzelnen Schule an“. „Wie sollen zwei Realschulen plus funktionieren?“, waren oft gestellte Fragen. Bei einer so genannten „Dislozierung“ komme es auf die Gesamtschülerzahl an, Jahrgangsstufen könnten aufgegliedert werden. Fakt ist jedenfalls, „dass wir das Sportzentrum Kyrau nicht auf Halmen schleppen können“, sagte dazu Fritz Wagner.  Obwohl Wagner als Vorsitzender des Schulverbandes eingangs keine aggressiven Wortmeldungen zulassen wollte, konnte er nicht verhindern, dass Eltern aus einer ähnlichen Info-Veranstaltung bei der Realschule auf Halmen vor Monatsfrist offen von Polemik, herablassender Arroganz und falschen Argumenten bezüglich Zeugnissen sprachen. Ein Mann befürchtete gar, dass der Kirner Realschulkampf auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werde. Bis 20 Rückkehrer von der Realschule auf die Hauptschule habe es im Jahr gegeben, dies habe sich „künftig historisch erledigt“, sagte Reiß, die wie ein Lexikon mit Zahlen aufwartete: 162 Realschulen plus im Land gebe es mittlerweile, weitere kommen aktuell hinzu. Damit habe man die Reform schneller umgesetzt als erwartet. Nach dem Schuljahr 2012 blieben nur noch acht Hauptschulen und acht Realschulen. Die Kirner Realschule auf Halmen kämpfe einen „letzten ideologischen Überlebenskampf und hat ihre Einflussnahme in punkto Gestaltungsmöglichkeit total verspielt“, sagten Eltern am Rande mit Missmut, während sich viele kleinere Grüppchen angeregt unterhielten.

Statistische Angaben zur Hauptschule Kirn: 304 Schüler/innen, 170 Ganztagsschüler/Innen, 8 Ganztagsklassen, 6 Halbtagsklassen, 24 Kolleginnen und Kollegen, 3 pädagogische Fachkräfte, 7 Honorarverträge im Rahmen der GTS, eine Sozialarbeiterin und ein jugendlicher im FSJ.


Podiumsinfo der HS

Vera Reiß von RLP

Hauptschule Kyrau

Realschule auf Halmen, einst Kyrburgschule