Wer regiert RLP? Kopf an Kopf Rennen - Junge Wilde gegen Landesvater

Kategorie: Lokale News an Nahe und Glan, Politik, Bernd Hey: Meine Meinung

 

Zugegeben, CDU-Herausforderin Julia Klöckner hat es schwer. Die rheinlandpfälzische SPD-Alleinregierung sitzt fest im Sattel, spricht homogen zusammengeschweißt mit einer Stimme und bietet null Angriffsfläche. Klöckner muss nachladen, mehr bringen als Nürburgring, Schlosshotel, Schulden und Dr. Heinz-Georg Bamberger. Die Themen sind durch, gegessen. Im direkten Fernsehduell mit Kurt Beck spricht sie viel in Worthülsen und Phrasen von der Zukunft, und erobert „die Stammtische“. Dabei wirkte ihre aggressive unflätige Wortwahl kontraproduktiv, rückwärtsgewandt und nicht fortschrittlich. Ob ihre burschikose Art bei Frauen und unentschlossenen Wählern ankommt? In meiner Umgebung nicht, auch Kanzlerin Merkel „hat fertig“. Wie viel „Zickenstoff“ können die Rheinland-Pfälzer vertragen? Im Fernsehduell wurden Mimik und Gestik, Theatralik und sogar eine „Gesprächsklimaskala“ bemüht, was immer dies heißen mag. Kurt Beck konnte gegen die „Junge Wilde“ nur verlieren, und er blieb tatsächlich erstaunlich blass. Seine Strategie: Sich als „Landesvater“ zurückzulehnen, nichts Falsches sagen. Wenn auch zuweilen reserviert herabblickend und übermäßig kontrolliert, nur die Contenance wahrend. Nicht der Beck wie man ihn kennt: Oft verhaspelt er sich, weil „Sie“ ihm Wahlkampf mit den Toten in Japan vorwirft: „Bitte nicht zu flapsig“ mahnt Beck im oberlehrerhaften Duktus an. Julia Klöckner war angriffslustig. Aber sie wirkte nervös, wollte zuviel „Zukunft“ Aufbruchstimmung, Kompetenz und Zukunftsmusik in einen Satz packen. Tausendsassa Herr zu Guttenberg als Abbild in weiblicher Person? - SWR-Journalist und Bestseller-Autor Thomas Life dazu: „Die weichen Faktoren waren zu schwammig. Nebensächlichkeiten summierten sich“. Die Mainzer AZ titelte: „Müdes Duell im Dämmerlicht“ und Dietmar Brück von der Rheinzeitung: „Eindeutiger Sieger: Unentschieden“. Viel Lärm also um nicht! „Patt“ schrieb die RZ mit 50:48 für Beck, Privatradio RPR1 sah mit 78 Prozent Klöckner vorn. Ob da jemand nachhalf? Dennoch: Alle noch so richtigen Argumente „unserer Julia“ verpufften wie Platzpatronen. 33 Millionen Schulden? Na und - haben doch alle, Berlin ist daran schuld. Die Pointe „Lieber wissen statt `Ahnen“ in Sachen Schulpolitik verstand kaum ein Zuschauer, und die mütterlichen Umarmungen für Bück gerade in der Atompolitik „…ich reiche Ihnen die Hand“ wirkten wie ihr kesses Lächeln gespielt, zu eloquent, wo doch gerade die CDU die Laufzeit verlängerte. Wusste sie das nicht?

Dass ihre Parteifreunde und das Christdemokratische Umfeld himmelhoch jauchzend in Julia Klöckner die nächste Ministerpräsidentin sieht, dient eher wie das Pfeifen im Walde dem Zweckoptimismus. Sie muss gewinnen, die Gelegenheit beim Schopfe packen, klotzen statt kleckern, hat nur diese eine Chance. Natürlich wollte es Alphatier Kurt Beck mit seinen 62 Jahren noch einmal wissen, dazu gab es keine personelle Alternative. Er wird keine drei Jahre weiterregieren, eher sofort seine Nachfolger positionieren. Das weiß Julia Klöckner. Und wenn die Grünen mitregieren, wird dieser Prozess beschleunigt. Der Guldentalerin wird der Durchmarsch an die Spitze nicht so einfach gelingen, denn auch in der Opposition bekommt man Kratzer und Falten, splittert der Lack ab. Nach den Tohuwabohu-Skandalen (Guttenberg, Hartz IV, Dioxin) und  „rein in die Atomkiste- raus aus der Atomkiste“ hat es die CDU trotz Spitzenkandidatin Julia Klöckner vielleicht wegen Kanzlerin Angela Merkel noch schwerer. Rückendeckung aus Berlin sieht anders aus! BERND HEY

 


Das Duell in RLP

Wenn das mal gutgeht?

Sind 16 Jahre genug?