"Im Dorf dehäm" für "En Appel unn e Ei" - Mundart & Episoden erfreute

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Meddersheim. „Mundart und Wein – das wird sicherlich fein“. Wer mit solchen Gedanken erwartungsfroh an sein Tagwerk geht, liegt goldrichtig und wird nicht enttäuscht. Auf Einladung des Volksbildungswerkes kamen die beiden Mundartpoeten Elfriede Karsch aus Waldböckelheim und Werner Barth aus Becherbach in die Weinbaugemeinde und gewährten bei einem vergnüglich-heiteren und amüsanten Abend tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und in ihr künstlerisches Schaffen.

Das Glücklichsein beim Nahewein, Frühlingsepisoden über das intuitive Empfinden bis hin zum bevorstehenden Osterlicht von Werner Barth ergänzte Elfriede Karsch ganz aktuell mit heitern Erinnerungen an die Konfirmandenprüfung an Palmsonntag, als es ein festliches Kleid, die ersten hohen Stöckelschuhe, das goldumrandete Gesangbuch mit Namen und obendrein ein gestärktes Taschentuch mit gehäkeltem Rand gab, obwohl Antworten in der Kirche, wie etwa „Der Herr ist mein Hirte, an mir soll`s nicht hängen“, nicht gerade das Gelbe vom Ei waren. Ihre Gedichte, Erlebnisse und Episoden stammten überwiegend aus ihrem achten Buch „En Abbel unn e Ei“.

Zeitzeugen der gebürtigen Gehlweiler Autorin schmunzelten genüsslich in sich hinein, als der Schweinebraten und die Markklößchensuppe, der Schokoladen- oder Vanillepudding und die Buttercremetorte in jedem Haus das Maß aller Dinge waren. Zuhörer kannten „Die Kommunion“ mit dem vertauschten Präsent, oder dem obligatorischen Geschenkeklassiker: Eine Sammeltasse. Die Besucher kannten „Die Kollekte“, „Die Kirchenmaus“ oder die „Sonntagsmai“. Elfriede Karsch verstand es mit ihren Geistesblitzen brillant, Vergangenheit und Gegenwart zu karikieren, etwa, wenn sie „Utznamen“ gebrauchte, die das Haus und die Familie nicht treffender hätte beschreiben können. Und wer kennt heute noch einen „Abtritt“, einen Donnerbalken mit dem Herzchen in der Tür und Zeitungspapier zum abputzen? „Neie, alte Name“ in Kitas wie Emma, Elisabeth, Lisa, Lena oder Frieda erinnern sie Jahrzehnte zurück an die vertraute Milchbank mitten im Dorf, als man nach den Kindern rief. Oft werden heute Babys mit dem Namen getauft, wo es „passiert“ ist: Paris, Brooklyn oder Lucia.

Vortrefflich ihre Story über den „Miehl-Peere un sei Gartehaisje“, wo sich doch tatsächlich pö-a-pö ein Techtelmechtel mit dem „Sofieche“ anbahnte….

Das 78-jährige Becherbacher Urgestein las aus seinen beiden Büchern „Im Dorf dehäm“ und „Landwirtschaft wird abgeschafft“, wo er in einem Vorwort und einem Resümee das vergangene Jahrhundert mit Weltkriegen, Inflation und Weltwirtschaftskrisen, Wirtschaftswunderjahre und 60 Jahre Rheinland-Pfalz ebenso wie den Aufstieg und Niedergang in der Landwirtschaft anhand seiner Familie autobiografisch ehrlich und ungeschönt schilderte. Ja, kopflastig habe er gelebte Jahre, das Landleben und den Bauernstand fokussiert. Werner Barth sparte schöne Erlebnisse, nostalgisches und humorvolles nicht aus, aber er mahnte auch: „Das was man schreibet nieder – findet später jemand wieder“. Der Fluss mündlicher Überlieferungen sei „leider unterbrochen und heute fast unmöglich geworden“. Das Beisammensein der Generationen fehle, das Teilen von Freude und Glück, das Ringen nach Zusammenhalt in der Familie komme zu kurz, und die tägliche Flut an banalen Infos sei mehr Fluch als Segen. „Im Dorf die Allermeiste, konnte sich kee Scheidung leiste“, reimte er. Und bittersüß klang eine weitere Erkenntnis: „Wat ma domols hot gemach, dat war im Grund verkehrt. Denn det Meiste von der Sach, is heit fast neist meh wert“. Sein Fazit: Im heute leben-  „Dut net erscht spärer, liewer heit, an auch selwer denke“.


Werner Barth & Elfriede Karsch