Naheregion: Finanz-& Strukturschwach - Kerwe und Märkte sterben aus!

Kategorie: Bad Sobernheim, Kirn, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan

 

Fotos UNTEN anklicken: Resümee: Sterben Wochenmärkte und Kerwe aus?

Kirn./ Bad Sobernheim. Das Festzelt auf der Kirner Kerb war sehr schwach besucht. (siehe Fotos anbei!) Wenn nicht bezahlte Tanzshows oder Mega-Events eingekauft werden, geht’s den Bach runter. Uraltes Kulturgut und Brauchtum dörflicher Geselligkeit ist in höchster Gefahr. Überall das gleiche Bild, und es ist längst alles gesagt, nur nicht von jedem. Fakt ist, dass Leute, Gruppen und Cliquen lieber zu Hause im Garten oder am TV ohne Vergnügungssteuer feiern. Da wirken aufklärende Plakate, wie viele und wie viel mehrfach Schausteller Steuern zahlen, eher kontraproduktiv. Fakt ist auch, dass den Kerwegängern die Lust auf das Feiern der Kerb irgendwie abhanden gekommen ist, ihre Mimik eher auf einen Trauerzug passt und sie eher wie Statisten oder Zaungäste als anteilslose Besucher wirken. „Die Johannis-Kerb sei doch etwas trübe gewesen“, soll Sobernheims Stadtbürgermeister Michael Greiner Ende Oktober 2011 im städtischen Ausschuss für Kultur- und Marktwesen geäußert haben. Das unterstrich auch Marktmeisterin Monika Haudel. Es sei sehr mühsam gewesen, Attraktionen hätten gefehlt. Zur negativen Bilanz machte Haudel deutlich, dass es eigentlich keine Ausrede gebe: Das Wetter war gut, es gab auch keine Fußball-WM. Man merke einfach, dass die Leute weniger Geld hätten und als erstes beim Vergnügen sparen. Nun trug das Schotterbild und freie Plätze auf dem Johannisplatz nicht gerade zur Belebung bei. „Man muss mehr in die Kirmes investieren, sonst ist die Kerb ganz tot“, lautet die ernüchternde Bilanz überall. In Kirn, Idar-Oberstein, Meisenheim, Bad Sobernheim oder in Simmertal. Viel Orte wie Meddersheim, Hahnenbach oder Otzweiler feiern gar keine Kerb mehr, weil niemand hin geht. Andere Events wie etwa Hoffeste, Wein- oder Wurstwanderungen und Innenstadtfeste haben der angestaubten Kerb längst den Rang abgelaufen.

Zunehmendes Phänomen seit Jahren: Hochprozentiger Alkohol wird aus Märkten geordert, die ja bis 22 Uhr geöffnet hätten. Diakon Joachim Höhn vom Malteser-Hilfsdienst appellierte an die Aufsichtspflicht der Eltern. Nach seiner Einschätzung seien etwa 15 bis 20 der zirka 250 Jugendlichen bei Trinkexzessen in Bad Sobernheim dabei gewesen, auch in Kirn war das DRK schwer gefordert.

Anderes Thema: Messen und Märkte: Donnerstags ist Markttag in Bad Sobernheim: Die Farben des Angebotes richten sich nach den Früchten des Feldes und der Jahreszeit. Seit Menschengedenken wird unter dem Roland als Wahrzeichen und traditionellem Symbol der Händler auf Marktplätzen Wandel und Handel betrieben. Konkurrenzkampf, Angebot und Nachfrage bilden die Regularien der Preisgestaltung. In die Felkestadt kommen viele der 14 bis 15 Marktbeschicker schon seit Jahrzehnten und sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Dennoch: Jugendlicher Nachwuchs wie etwa die in Kirschroth gebürtige Raumbacher Geschäftsfrau Monika Mieck mit ihrem Weingut und Federweißen-Angebot sind gern gesehen, sie sind die Zukunft: „Das wird ein Problem. Wenn nicht ganz schnell noch mehr Jüngere den Markt beleben, stirbt er aus“, sagt der Biebelsheimer Obst- und Gemüseanbieter Dieter Nehls, der seit 1973 kommt. „Die Fischleute kommen auch seit Jahrzehnten aus Oberhausen und sind hier sehr beliebt“, weiß Anwohner Werner Weingarth. Absolute Rekordhalterin ist jedoch Gertrud Walter aus Bockenau. Die 78-jährige steht dienstags, freitags und samstags auf dem Bad Kreuznacher Markt und kommt donnerstags „schon ewig“, wie sie sagt, jedenfalls seit über 60 Jahren. „Früher als Kind musste ich schon mit“, sagt sie zufrieden lächelnd. Übrigens hat sie neben ihrem Angebot aus eigenem Anbau noch eine weitere Pläsier: Hasen. Zier- und Zwerg-Hasen hat sie immer im Angebot mit dabei.


Gähnende Leere im Festzelt in Kirn

Nasser und stürmischer Sommer 2011

Gertrud Walter (78) aus Bockenau

Dieter Nehls (links) aus Biebelsheim

Die Marktmannschaft in der Felkestadt