Handwerk boomt, Wirtschaft & Digitalisierung brummen, Facharbeiter Mangelware: In Niedrigzinsphase Scheune füllen!!! DiFin bei GiK Kirn thematisiert

Kategorie: Bad Sobernheim, VG Sobernheim, Kirn, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Wirtschaft, Handwerk, Politik

 

FOTOS am Textende. UNTEN. Kirn. Unaufhaltsam und mit Macht rast in allen gesellschaftlichen Ebenen der Digitalisierungsprozess auf uns zu – dies war Tenor beim Unternehmerabend der Gewerbeinitiative Kirner Land (GiK) in den neuen Räumlichkeiten der Kreissparkasse Birkenfeld. Filialleiter Oliver Schuff begrüßte bei der Stehparty. Es ging um den seit April 2018 nach einer erfolgreichen Testphase im „Echteinsatz“ angewandten Digitalen Finanzbericht (DiFin). Dieses Verfahren wurde vor einiger Zeit von Banken und Sparkassen, Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und deren IT-Dienstleister mit entsprechend-sicherer Software entwickelt. Der Digitale Finanzbericht ist ein wesentlicher Baustein zur Digitalisierungsinitiative der Bundesregierung und ein Basisinstrument von „Industrie 4.0“ – auf vergleichbare Weise wird dieser elektronische Verteilungsprozess bereits bei der Übertragung von Daten an die Finanzverwaltung und den Bundesanzeiger genutzt.

„Eine rundum gute und gelungene Sache – nichts Negatives gefunden“, resümierten sowohl der bei der Kreissparkasse Birkenfeld für Bilanzanalysen und Rating zuständige Experte Andreas Werner, wie die Kirner Steuerberaterin und GiK-Vorsitzende Cornelia Dhonau-Wehner aus der täglichen Praxis. Sie erläuterten Datenschutz und Prozessablauf sowie die vertraglichen Regelungen – das Finanzamt nehme die Jahresabschlüsse nur noch digital auf elektronischen Wege als E-Bilanz entgegen. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer verfügen längst über die Technologie und das Knowhow, worauf der DiFin aufbaut. Während Finanzverwaltung und Bundesanzeiger die digitale Übertragung der Finanzdaten „per Dekret“ angeordnet haben, benötigen Kreditinstitute die schriftliche Zustimmung und Unterstützung ihrer Kunden und Unternehmer, erläuterte Andreas Werner.

Die konsequente Digitalisierung der Geschäftsprozesse in der Beziehung Kanzlei- Mandant-Bank werde durch effiziente, so genannte medienbruchfreien und sicheren Verfahren zur elektronischen Übermittlung von Abschlussdaten vor unberechtigtem Zugriff oder Veränderungen durch den IT– Dienstleister (DATEV oder ADDISON) geschützt und sei sicher. Damit werde die Vertraulichkeit und Datenintegrität jederzeit wie bei der bewährten E-Bilanz gewährleistet; - der Digitale Finanzbericht ist ohne Unterschrift gültig, weiterhin wird der Jahresabschluss als PDF-Dokument in Kopie beigefügt. Haftungsklarstellungserklärung des Kreditinstituts, wonach das Unternehmen nicht schlechter gestellt wird als vor der Papierabgabe sowie eine Teilnahme- und Verbindlichkeitserklärung seitens der Bank und des Kunden oder Unternehmens wurden detailliert und klar erörtert.

Nachfrage von Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Michael Kettern: „Wie greift die Haftungsfreistellung für Mandant und Berater im Falle einer falschen Angabe etwa bei einer Kreditvergabe?  Und wie verwenden die Banken oder das Finanzamt diese Daten, was wird wann und wo verarbeitet?“ Antwort: Da müssten schon gravierende Fehler vorliegen, im Übrigen sei wie bisher jederzeit ein Rating oder eine Korrektur möglich. „Zudem ist durch die Taxonomie hier ebenfalls ein Fehler schnell erkennbar“, informierte Cornelia Dhonau-Wehner.

Die Scherzfrage aus dem GiK-Unternehmerkreis, ob dadurch die Zinsen weiter sinken, beantwortete der bei der Kreissparkasse Birkenfeld zuständige Abteilungsleiter fürs Firmenkundengeschäft, Eckhard Rietz, ebenso humorvoll: „Die Frage haben wir befürchtet. Theoretisch und praktisch ist nichts mehr möglich“. EZB und FED werden weder in diesem Jahr noch mittelfristig eine Zinserhöhung vornehmen. Noch ein Bonmot: „Prognosen sind in die Zukunft gerichtet und dafür da, korrigiert zu werden“, sagte er. Die geringe Inflation sei ausschließlich durch die Energie- und weltpolitische Ölpreispolitik begründet. Kein südeuropäischer Staat inklusive Frankreich könne höhere Zinsen verkraften; - ein niedriges Zinsniveau über Jahre sei weiter möglich. Seit zehn Jahren habe man einen Konjunkturverlauf seitwärts auf höchstem Niveau, Vollbeschäftigung, Handwerkerboom, der Dienstleistungssektor brumme und auf dem arbeitnehmerfreundlichen Markt könne jeder frei entscheiden, wo und was er arbeiten wolle, sagte Eckhard Rietz. Jetzt gelte es, die Scheune zu füllen; - ja der Sparer stehe allein in der Landschaft und durch die Inflation werde das Kapital weniger, sagte er zur anderen Seite der Medaille.

„Unternehmer sind Leute, die etwas unternehmen und investieren“, ergänzte GiK-Chefin Cornelia Dhonau-Wehner und appellierte, alle Vorteile und die Niedrigzinsphase zu nutzen. Sie sprach das riesige Potential des darniederliegenden Mietwohnungsbaus an, wo seit Jahren viel geredet wird, aber wenig bis nichts passiert.

Zum Gruppenfoto:  Filialleiter Oliver Schuff (von rechts), Andreas Werner (Bilanzanalyse und Rating), GiK Marketingassistentin Kerstin Nikodemus, GiK-Chefin Cornelia Dhonau-Wehner, GiK Vize Nico Barth, GiK Beisitzer Marcel Römer und GiK-Geschäftsführerin Verena Lang.