Benefizkonzert vom Heeresmusikkorps Koblenz vor 650 Zuhörern in Kirner Kyrauhalle - Weit entfernt von Tschingderassasa, Bumbum, Hoppsasa & Trallala

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Fotos UNTEN -anklicken: Kirn. Vor zwei Jahren erlebten annähernd 500 Besucher in der Kyrau-Halle das Heeresmusikkorps Koblenz, jetzt waren es beim Benefizkonzert zugunsten der Aktion „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“ und dem Kindertageszentrum für Kinder mit Handicap im rumänischen Lenauheim, der Partnergemeinde von Kirn-Land, fast 650 Zuhörer. Die Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück orderte anlässlich ihres 150-Jährigen Jubiläums 200 Karten für Mitarbeiter, Mitglieder und Kunden, wie die Kirner Filialleiterin Jutta Zepezauer bestätigte und im Foyer der Sporthalle freudestrahlend begrüßte.

Namens der Veranstalter hieß der ehemalige Kommodore des bis 1997 am Standort Bad Sobernheim / Pferdsfeld stationierte Phantom-Einsatzgeschwaders der Luftwaffe, der Meddersheimer Oberst a.D. Hans-Peter Koch, herzlich willkommen und begrüßte eine Vielzahl honoriger Gäste und Bürgermeister, allen voran Hausherrin und Landrätin Bettina Dickes, den Staatsbeauftragten Werner Müller sowie den Staatssekretär Dr. Denis Alt. Besonderer Dank ging an Sponsoren und die Bürkle-Stiftung, ehrenamtlich-tätige Bundeswehrsoldaten, die Reservisten- Kameradschaft Kirner-Land um ihren Vorsitzenden Timo Munstein, die den Service übernahm, und ganz besonders an den Bauhof der VG Kirn-Land um Eckhard Götz, der mit dem Herrichten der Halle die meiste Arbeit hatte und viel „Manpower“ aufbot, andererseits aufgrund grandioser Popchor-Auftritte über viel Routine verfügt.

Hans-Peter Koch dankte von der Organisation Isabell Lauf und der Sonnwaldstiftung um Herbert und Ingrid Wirzius, wo fiskalisch die Aktion „Hilfe für Bundeswehrkinder in Not“ angesiedelt ist, und nannte die große Institution der „Ehemaligen“ Geschwader-Angehörigen, namentlich Horst Halbig, Peter Öhler, Jürgen Reinhard und er selbst. Viel Beifall gab es für das Engagement der Männer: „Wir haben in den sieben Jahren unbürokratisch auf kürzestem Weg 85 Kinder mit über 50.000 Euro unterstützt. Kinder von Soldaten-Eltern, die im Einsatz gefallen oder verwundet wurden“, und sich bei der familiären Nachsorge gravierende PTBS (Post Traumatische Belastungsstörungen) einstellten. Hälftig gehe der Erlös an Bundeswehrkinder in Not und an das Kindertageszentrum in Lenauheim, wo sich der Lützelsoon-Förderverein „Hilfe für Kinder in Not“ seit 2004, und die VG Kirn-Land mit einer Patenschaft seit 2014 engagiert.

Mit dem Entree „Wir präsentieren“ und der schwungvollen „Colas Breugnon Overtüre“ von Dimitry Kabalewsky eröffnete das Orchester ein breites Repertoire. Seit Juli 2014 hat Oberstleutnant Alexandra Schütz-Knospe die Stabführung inne. Ein Novum, ist die 45-jährige gebürtige Berlinerin und in Rheinland-Pfalz lebende Dirigentin die bisher einzige Leiterin eines Musikkorps der Bundeswehr. Mittlerweile hat sie mit Hauptmann Wolfgang Dietrich am Pult Unterstützung bekommen. Optisch gab die vollbesetzte Bühne mit Schellenbaum, Standarten, dem Bundesadler sowie dem blau-gelben Pferdsfelder Geschwaderwappen ein prächtiges Bild ab.

„Pilky“ (Die Säge), jener 6.Tanz in einem Zyklus des tschechischen Komponisten Leos Janacek mit Oberstufen-Schwierigkeitsgraden wurde brillant intoniert – viel Säbelrasseln war beim „Marsch der Minensucher“ von Semione Tshernetsky herauszuhören. Dieses Werk mit klaren Registern und anspruchsvoller symphonischer Blasmusik wurde ab 1941 zur heimlichen russischen Hymne, weil damit Soldaten an die Front verabschiedet wurden.

Ein Klangerlebnis par Exzellent und eine Hommage auf Albert Einstein war gleichnamige Komposition von Thomas Doss. Einsteins Relativitätstheorie und das jüngst fotografierte „Schwarze Loch“ als elementare Grundlagen der heutigen Physik offenbare den Geist dieses Genies: „Kein Normalsterblicher versteht ihn wirklich, aber alle mögen ihn!“, sagte die Conférencieuse Alexandra Schütz-Knospe, und für solch faszinierendes Klangerlebnis zwischen Harmonie und tiefster Zerrissenheit wie aus dem Welten-All schien die Kyrau-Halle akustisch geradezu prädestiniert für solch fulminantes Feuerwerk der Blasmusik.

„Das Musikkorps spielt ganz moderne konzertante Stücke“; - so wie der Bad Sobernheimer Stadtbürgermeister Michael Greiner waren alle befragten Zuhörer überrascht, auch wenn das gute Dutzend Altgedienter und Reservisten im Service aus dem Kirner Land gerne noch mehr Märsche, Polkas oder Klassiker gehört hätte.

Mit dem 1904 komponierten Operetten-Lied „Berliner Luft“, einem Marschrhythmus von dem Ex-Fagottisten Paul Linke, wurde die zweite Halbzeit eingeläutet und dann ging es beim „Conga del Fuego Nuevo“ von Arturo Marquez mit feurig spanisch-mexikanischem Flair weiter. Die ganze Klangfülle und Bandbreite des überwältigen Instrumentariums wurde bei dem zauberhaften „The Wizard of OZ“ sichtbar und hörbar. Da kam die hintere Reihe der Solisten in Uniform mächtig ins Rotieren, spielte doch jeder mehrere Percussions und Instrumente, um mitreißend und authentisch-original jenem 80 Jahre alten Spektakel mit Judy Garland von der Hexe, der Vogelscheuche oder dem Blechmann Leben einzuhauchen.

Das Lieblingswerk der Dirigentin war ein Medley mit Welthits des Friedensbotschafters  Stevie Wonder. Gitarren und Keyboard waren zu hören, mit Flügelhorn spielte der in der Region bekannte Solist und Trompeter Mathias Quint im Lied „You are the Sunshine of my Life“ ein gefeiertes Solo. Der Oberreidenbacher und Ex-Schloss Dhauner spielt seit drei Jahrzehnten bei Michael Klostermann. Einst leitete er den Musikverein 1878 Kirn und er strahlte, so viele Musiker und „Alte Kameraden“ zu sehen. „Überall wo wir Soldaten als Musiker in Uniform spielen, fällt der Alltagstrott ab und kommt uns ganz viel Sympathie entgegen. Und wenn man zu Hause im Wohnzimmer vor solch begeistertem Fachpublikum spielen darf, ist das ganz großes Kino und beflügelt und motiviert ungemein“, sagte der 48-jährige Stabsfeldwebel und drehte ebenso wie Klarinettist Mario Koch aus Bundenbach oder der Hahnenbacher Schlagzeuger und Drummer Marc Weber noch lange in der Kyrau-Halle seine Runden, um Freunde und Bekannte zu treffen. Mittendrin unter den Zuhörern wurde während des Konzerts Rudi Krämer besonders begrüßt – der 83-jährige Kirner spielte vor 62 Jahren im Heeresmusikcorps Koblenz Klarinette. Das äußerst diszipliniert und brillant aufspielende Orchester bot ein Appetithäppchen nach dem anderen und zog bei der ersten Zugabe „Comedians Galopp“ alle Register ihres Könnens. Beifallsstürme waren verdienter Lohn. Die „Alten Kameraden“ als eines der beliebtesten Militär- und Traditionsmärsche war ein weiteres, bei den Gästen beliebtes Sahnehäubchen, bevor die deutsche Nationalhymne zum krönenden Abschluss als ein epochaler und emotionaler Hörgenuss wie aus einem Guss erklang und von den Zuhören stehend gefeiert wurde.