Martinstein: Johannes Bock blickt in ferne Welten & Galaxien

Kategorie: Bad Sobernheim, Martinstein, Meddersheim, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Leute nebenan, Schule, Lifestyle, Highlights

 

Jetzt im August kommen die Poseiden-Sternschnuppen!

Juli 2019: Martinstein. Der 36-jährige gelernte und beruflich-tätige Chemie-Ingenieur bei Boehringer Ingelheim und dreifache Familienvater Johannes Bock hat nach 15 Jahren sein Amt als örtlicher Wehrführer aufgegeben, um sich seiner Familie und ganz speziellen und zeitintensivem Hobby, der Astrofotografie, zu widmen.

Was hat ihn dazu bewogen? War es Einsteins Relativitätstheorie? Star-Wars, Science-Fiktion Klassiker?, die Worte des Raumschiff-Enterprise Captains Jean-Luc Picard „Der Weltraum – unendliche Weiten…“, eine Sonnen- oder Mondfinsternis, die Mondlandung vor 50 Jahren oder das Sternschnuppenfeuerwerk der Perseiden Mitte bis Ende August?

„Ja. Den Grundstein legten am Emanuel-Felke Gymnasium in Bad Sobernheim Mathematiklehrer Alois Scheller und Dr. Volker Beutel (Physik). Letzterer rief eine Astronomie-AG ins Leben und ich war dabei“, erzählte er. Dann bekam er sein erstes Teleskop, ging zu Dietmar Theis und zur Sternwarte Schloß Dhaun. Und vor einem Jahr im Juli 2018 kam der „Glücksgriff“ seiner Frau Nina, als sie mit dem Handy durchs Okular ein imposantes Foto der totalen Mondfinsternis schoss. Das faszinierte, fesselte und ließ ihn nicht mehr los, erzählt Johannes Bock, und weiter:

„Wenn man am Tag in das himmlische Blau der Erdatmosphäre hochschaut, sieht man die Grenze unseres irdischen Seins, in der wir leben und existieren können. Nachts hat uns der liebe Gott die Möglichkeit geschenkt, in die Unendlichkeit des Universums zu schauen. Ich versuche Fotos von Objekten, die man sonst mit bloßem Auge nicht sieht, Sternentstehungsgebiete, Sternhaufen, ferne Galaxien oder planetarische Nebel, zu schießen“, und erstmals nach 25 Jahren Hobby sei es ihm möglich, dieses Licht, dass teilweise Millionen von Jahren unterwegs war, anderen Menschen zu zeigen.

Johannes Bock wohnt in Martinstein in der Sonnenstraße, „heile Welt“ – einem Ort der Klasse 4 auf der neunstufigen Bortle-Skala, womit man die Lichtverschmutzung misst. Ideal also, um in der eigenen Milchstraße oder in einer der 30 Nachbargalaxien, wie etwa der Triangulum- oder Andromeda-Galaxie, zu beobachten oder zu fotografieren.

Für seinen Hackenheimer Astrofreund Rainer Kesper ist das nächtliche Alleinsein, die Stille, das Beobachten das Faszinosum, visuell die Bilder ohne Fotografie live und direkt auf der eigenen Netzhaut zu erleben, genau die entgegengesetzte Ausprägung.

Johannes Bock ist an den zwei Sternwarten in Bad Kreuznach und „Am Hohen List“ in der Vulkaneifel, eingeschrieben. In Bad Kreuznach erlernte er das „Handwerk" des Astrofotografen und lernt nach eigener Aussage immer noch. Ein klasse Team an der Sternwarte in Bad Kreuznach unterstützt ihn hierbei. Das Observatorium Hoher List ist die ehemalige Sternwarte des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn. Das Observatorium in der Eifel war der eigentliche Vorläufer des „Very Large Telescope“ in der chilenischen Atacamawüste – und das war das Aus für die Eifel, denn dann wurde dort keine ernsthafte Forschungs- und wissenschaftliche Arbeit mehr betrieben. Heute ist dort der Astronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV) angesiedelt. Dank der Vereinigung  ist es Hobbyfotografen wie Johannes Bock möglich, auf dem ein Meter Spiegel mit vier Meter Brennweite tief ins Universum zu blicken. Die Kamera wird am Teleskop angeschlossen und die Langzeitbelichtungen durchgeführt. Im heimischen Martinstein findet dann die Bearbeitung statt, die teilweise ebenso viel Zeit in Anspruch nimmt wie die nächtliche Fotografie selbst. Johannes Bock ist Realfotograf, er verändert nichts. Seine Astrofotografien und Himmelsausschnitte stecken zwar noch in den Kinderschuhen, sind jedoch „Original Science Made in Martinstein“. Auch im Hobbybereich sei es möglich, neue Sterne oder bislang unbekannte Nebel zu fotografieren. Wir fragten nach bei Johannes Bock.

Frage: Bringen Sternschnuppen Glück? Was wünschst Du dir?

Johannes Bock: „Gesundheit. Oder es sollte etwas ganz Romantisches sein, und wenn man wie ich daran glaubt, gehen Wünsche auch in Erfüllung. Ich würde gerne einmal eine Supernova als erstes Aufnehmen oder einen hellen Boliden sehen“.

Frage: Die Dimensionen der Entfernungen sind schier unendlich. Wo liegt dein Horizont?

Johannes Bock: „Das Licht der nächsten Galaxie ist 2,5 Millionen Jahre alt, als die Menschen aufrecht gehen lernten; - überrascht hat uns eine Supernova vor Jahren, etwa 35 Millionen Lichtjahre alt. Und ein zwei Milliarden Jahre entfernter Quasar als heller Punkt ist das Entfernteste, was man als Hobbyist sehen kann, damals entstand das Leben an Land“.

Frage: Vor 100 Jahren war das Wissen noch sehr begrenzt – ist aktuell mit Überraschungen zu rechnen?

Johannes Bock: „Ja, das interstellare Objekt Oumuamua rauschte vor knapp zwei Jahren nur 24 Millionen Kilometer, quasi im Vorgarten unseres Sonnensystems, an uns vorbei. Das war verdammt knapp – es wurde fünf Tage später entdeckt, nachdem es die Erde passiert hatte. Man sieht heute die Entwicklung der Kosmologie, wie sich das Universum ausdehnt, Schwarze Löcher, Exoplaneten. Dieses Wissen ist wie sie im Sein und Werden in das Kulturgut der Menschheit eingegangen sind. Die Theorie des Urknalls und wie das Universum tickt, versteht man erst seit wenigen Jahrzehnten. Es warten noch viele Rätsel, die es zu lösen gilt“.

Frage: Jeder ältere weiß, was er bei der Mondlandung vor 50 Jahren gemacht hat. Du warst noch nicht geboren, aber?

Johannes Bock: „Wenn man bedenkt, dass jeder Computer an Bord der Mondlandefähre Eagle schlechter war als heute ein Handy, dann ist das beeindruckend, dass es der Mensch es gewagt und geschafft hat, auf einem fremden Himmelsobjekt mit dieser Technik zu landen. Chapeau! Der Mond ist quasi für jeden anfänglichen Astro-Hobbyfotograf erster Tummelplatz. Das letzte Mal waren wir vor 46 Jahren dort und das ist schon sehr lange her“.

Frage: Was braucht man zur Astrofotografie?

Johannes Bock: „Das Equipment umfasst ein Spiegelteleskop des Typs Ritchey-Chrétien, identisch dem Hubble Teleskop, mit der passenden parallaktischen Montierung. Denn das Teleskop muss sicher justiert und genau mit der Erddrehung mitgeführt werden. Die Erde dreht sich 15 Grad in der Stunde. Dies entspricht etwa 1.600 Km/h – hoffentlich müssen wir niemals bremsen. Hinzu kommt eine astromodifizierte Nikon D 810 Vollformatkamera – und weil der Chip durch die Langzeitaufnahme immer wärmer wird, ist sie gekühlt, aktuell bei 0 Grad Celsius, im Winter werden die Aufnahmen bei bis 30 Grad minus aufgenommen. Die Einstiegsausrüstung ist relativ teuer – daher kommt die Redewendung astronomische Preise“.


Johannes Bock (rechts)

Adlernebel Foto: J.Bock