Julia Klöckner ins Gebet genommen: "Landwirte werden niedergemacht"

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Kirn. Schwere PS-starke Schlepper standen mitten in der Kirner City im Bereich Hedwigsgärten/Altstadt auf der Westtangente. Auf ihren Transparenten war zu lesen: „Das Gesetz kommt zu dick – uns bleibt nur der Strick“ oder „Bauern: Sündenbock für alles“ und „Sie sähen nicht. Sie ernten nicht. Aber: Sie wissen alles besser!“ Die Landwirte äußerten, quasi aus ihrer Not heraus „auf Krawall gebürstet“ zu sein. Sie kamen aus dem Kreis Birkenfeld, teils weit gefahren, und sie sorgten in Kirn bei der Veranstaltung „Bibel, Brot & Wein“ und dem Besuch der Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Julia Klöckner für hektische Betriebssamkeit bei der Polizei und erhöhte Sicherheitskontrollen. "Wir wollen mitreden. Wir werden niedergemacht und fühlen uns vom Bauernverband nicht vertreten, da hagelt es massenweise Austritte“, machten Holger Conrad aus Siesbach und Tobias Brunk aus Niederwörresbach bei Julia Klöckner deutlich und gingen hart mit ihr und der Agrarpolitik ins Gericht. „Jetzt am Ende des Jahres kommen Rechnungen, die nicht bezahlt werden können“. Vom Handel und weiterverarbeitenden Betrieben würde viel Geld für Modernisierung und Investitionen von den Bauern einbehalten, was die Landwirte selbst dringend benötigten, echauffierte sich Brunk – ohne Subventionen und Prämien könnten längst Betriebskosten nicht gedeckt werden, schwang viel Wut und Enttäuschung mit.

Julia Klöckner nahm sich Zeit: Ja, sie kenne die Problematik, Mobbing bei Kindern in der Schule und Bauernbashing: „Ich bin froh, dass ihr hier seid. Das ist unsere Chance, etwas zu ändern, wir brauchen die Landwirtschaft, sonst müssten wir Landschaftsgärtner bezahlen. Aber wir müssen dahin, wo die Verbraucher sind“, formulierte sie. Auf der anschließenden Veranstaltung kritisierte sie die Geiz-ist-geil-Mentalität und mangelnde Wertschätzung gegenüber Produzenten und Erzeugern. Im Jahr 1900 habe ein Bauer fünf Menschen ernährt – heute 155: „Hunderte Euro für ein Handy. Beim Öl fürs Auto spielt der Preis keine Rolle, aber: Salatöl wird in Cent aufgewogen. Jeder schreit über die Düngeverordnung – aber Salat mit Ungeziefer will keiner, der Verbraucher macht es sich zu einfach. Ein Liter Milch für 33 Cent deckt bei weitem nicht die Kosten der Erzeugung“, wetterte sie und sicherte den Bauern einen Termin im Kreis Birkenfeld zu.


Bauernprotest

mitten in Kirn

Julia Klöckner (J.K.)

Alfred Wenz/Herbert Wirzius/ J.K.

J.K. nahm sich Zeit