Werden Bürger über den Tisch gezogen? Wem nützt Breitbandausbau?

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ÜberraschtFotos txt.ende anklicken: Limbach. Momentan läuft der Breitbandausbau zur Beseitigung der so genannten „weißen Flecken“ auf Hochtouren, überall ist Frühlingserwachen. Überall? Nein. Es geht nach Meinung mehrerer Ortsbürgermeister knallhart um wirtschaftliche Eigeninteressen und um Machtspielchen, Kosten-Nutzen-Rechnung der Platzhirsche, obwohl Bund, Land und Kommune zahlt. In Kirschroth wird jeder Haushalt angeschlossen, in Nachbarorten das Kabel um den Kasten gelegt. Hammer, das versteht kein Mensch!

Zurzeit baggert die Firma „Kabel-Tiefbau“ mit seinem Polier Arslan Fahri einen Meter tief und verlegt auf der Gemarkung zwischen Kirschroth und Limbach neben dem Wirtschaftsweg Leerrohre für Glasfaserkabel. Vereinfacht dargestellt kommt es darauf an, von woher das Licht kommt. Licht deshalb, da das Glasfaserkabel auch als „LWL“ Lichtwellenleiter bezeichnet wird; - das Licht kommt also von Kirschroth über Limbach und Hundsbach Richtung Otzweiler.

Aber: Soviel Licht wirft auch lange Schatten: „Das Breitbandthema bei uns ist ein ganz großer Knaller – wir sind von einem fehlerhaften Ermittlungsverfahren betroffen. Will heißen, dass in unserer schönen Gemeinde im Neubaugebiet mit dem Welschröterhof nur sieben Haushalte als „weiße Flecken“ anerkannt sind und angebunden werden, obwohl das ganze Dorf ein weißer Fleck ist und im halben Dorf Gräben gebuddelt wurden, was für viel Unmut sorgt“, gibt der Limbacher Ortsbürgermeister Thorsten Pröschel zu Protokoll.

Hintergrund ist: Der Kreis Bad Kreuznach hat 2016 eine „Marktergründung und Machbarkeitsstudie“ kontra weißer Flecken in Auftrag gegeben. Sprich: Für jedes Haus wurden Koordinaten vom statistischen Landesamt für geobasis-Daten angefordert und ausgewertet. Ergo ist/war Abtweiler oder Hundsbach (als Beispiel) nicht als „Weißer“ sondern lediglich als „Grauer“ Fleck kartiert, weil vom Anbieter PfalzConnect aus Löllbach eine Leistung von 30 MBit/Sekunde garantiert wurde. Darin liegt die Crux begraben, was nun Bürger und Kunden mehrfach als Betrug von PfalzConnect oder als Nachteile der freien Marktwirtschaft nennen. Thorsten Pröschel in Limbach spricht von 6 MBit/s im Ort, er ist als staatlich geprüfter Holztechniker und im Außendienst eines Schweizer Unternehmens selbst am härtesten betroffen. Und obwohl der Bund 50 %, das Land 40 % und 10 % die Kommune vor Ort für den Ausbau zahlt, darf der Kreis KH nur weiße Flecken erstanbinden, informierte auf Anfrage der beim Kreis zuständige Sachbearbeiter Jürgen Klotz.

„Wieso wird PfalzConnect durch die Verwaltung nicht rigoros das Handwerk gelegt? Das ist eine bodenlose Frechheit und in Amtsstuben bekannt“, echauffierte sich der Limbacher „Ob“ Thorsten Pröschel und gibt Volkes- und Ortsgemeinderatsstimmen wieder. Denn: „Wer sich am lautesten beschwert, erhält kurzzeitig mehr Leistung auf Kosten anderer“. Außerdem warnt Pröschel vor mündlichen vor-Ort Meetings, wo jeder ehrenamtlich-tätige „Ob“ überfordert ist, wenn er kein Tiefbau-Ingenieur ist: „Ich halte den Kopf hin“, sagt er. Erst nach Kontakt zur VG Kirner Land kümmerten sich Bauamtsleiter Markus Neubrech und Norman Barth.

Und noch etwas fuchst ihn: Federführend für den Ausbau der Breibandversorgung ist die Bundesrepublik, Innogy erhielt bei der Ausschreibung des Kreises Bad Kreuznach den Auftrag. Dann kam Westnetz mit ins Boot, die wiederum die Firma Schneider Consulting als Planungsbüro mit der Bauüberwachung beauftragte: „Die Kreisverwaltung hat quasi die Bauüberwachung komplett dem Konsortium der bauausführenden Firma übertragen, das sich jetzt selbst überwacht. Das find ich genial-Geil!“, und darin sieht Thorsten Pröschel das Grundübel der Bürger- und Politikverdrossenheit. „Wenn Innogy noch schöne Fotos in der Zeitung von Wohltätigkeit und heile Welt suggeriert“, denkt er laut nach, dann hat das schon ein fades Geschmäckle. Limbach sei komplett ein weißer Fleck - jetzt werden nur jene sieben Haushalte angebunden, die als Bestandteil der Fördermaßnahme beim derzeitigen Ausbau berücksichtigt werden.

Ob und wann im „Rahmen einer Nacherfassung…die restlichen Adressen von Limbach als weiße Flecken festgelegt werden mit dem Ziel, auch diese Häuser zukünftig zu versorgen“, dies steht in weiter Ferne und in den Sternen, jedenfalls sind sie abhängig von einem Mindestanschluss – und die „nacherfassenden Adressen liegen nicht vor“ – Pröschel drängt bislang sehr erfolglos wie sein benachbarter Hundsbacher Kollege Jan Hey auf eine „Bündelung der beiden Teilleistungen“ – aber sie werden „mit Bedauern“, wie Innogy schreibt, übergangen, klagen beide. (Schriftverkehr liegt der Kirner Zeitung vor).

„Diese Problematik habe ich täglich - ein ganz heikles Thema: Ein Kampf gegen Windmühlen“, bedauerte Jürgen Klotz das leidige Tagesgeschäft. Im Rahmen des „Next Generation Access Network-NGA“ müsste und könnte PfalzConnect von Innogy Leistung abkaufen – aber wenn diese wie jetzt in Hundsbach, aktuell nicht anbindet, Innogy nicht anschließt und das Kabel am Verteilerkasten vorbei legt, bleibt es eben bei nix. Null. Zwei Kabelverzweiger (KVz) stehen in der Hauptstraße, wo Innogy nicht drauf darf, also wird ein dritter, eigener KVz gestellt. „Ein Drama ohne Ende, was man keinem Bürger vermitteln kann“, bedauerte Jürgen Klotz. Als Dorfoberhaupt von Bockenau ist ihm dies verständlich, jedenfalls nicht weltfremd. Bürger in Hundsbach und Limbach  sprechen von einer Bananenrepublik, selbst im hintersten Anatolien klappen Handy und die Verbindung notfalls zum Mond. Die Mühlen mahlen bekanntlich langsam und eine Vielzahl weiterer Ortsgemeinden im Nordpfälzer Bergland bis hin zu den Lemberg-Gemeinden sind betroffen, weiß Klotz.

Was, wenn Menschenleben direkt in Gefahr sind? – die desolate Telefon- und DSL-Versorgung sowie die in den Kinderschuhen steckende und unausgegorene Feuerwehr-Funkverbindung wurde jedem beim Flächenbrand in Limbach drastisch vor Augen geführt und war in aller Munde. Warum ducken sich alle weg, ist das bürgernah, zukunftsorientiert? Nein, beantworten die beiden Ortschefs Thorsten Pröschel und Jan Hey selbst ihre Frage. Hey zahlt 16.000 Mbit/Sekunde und hatte am 24. März 1.180 und am 25. März 1.280 Mbit/s. Ein Hohn, Betrug seit Jahren, sagt er, Telefonie? Mangelhaft - krächzen begleitet jedes Gespräch. Warum wird Daseinsfürsorge derart ignoriert? fragen beide. Hundsbach zählte 1871 noch 686 Seelen. 1972, vor 48 Jahren, 556 Einwohner, heute 373 – wenn das in dieser Intensität so weitergeht, wäre rein rechnerisch der Ort in 96 Jahren, in vier Generationen im Jahr 2116, noch eine Wüstung mit sieben Bewohnern. Hinzu kommt, dass ein Ortstermin in Hundsbach diesbezüglich an diesem Mittwoch, 25. März um 16.30 Uhr, von Landrätin Bettina Dickes abgesagt wurde; - wenige Tage zuvor in Heimweiler fand solcher Termin noch statt, wie in Facebook fett nachzuverfolgen ist. Vielleicht waren die Themen dort angenehmer?


Für wen werden Löcher gebuddelt?

Das fragen die Ortsbürgermeister

Für die Bürger oder für die Platzhirsche?

Limbacher & Hundsbacher sehr sauer.