Sarah Biczysko: Es kommt zwingend darauf an, die Dinge zu durchschauen! EFG-Bad Sobernheim - Corona-Abitur 2020 - 27 sind Negativrekord - G8 schuld?

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Fotos unten anklicken: Bad Sobernheim. Seit Freitag dem 13. März 2020 überlagert Corona alles – insofern erinnerten Schulleitung und Laudatoren in der EFG-Mensa an eine „weltweit einmalige Zeugnisübergabe“. Keine akademische und keine Abi-Feier, kein Abistreich, kein Gottesdienst, Maskenpflicht und Abstandsgebot, Home-Office bei Schulverbot: „Ständig wurden uns Bedingungen geschickt, wie man Schule machen kann. Ihr habt in dieser Zeit das Abi gemeistert“, lobte anerkennend Schulleiterin Britta Sturm bei ihrer Begrüßung. Die Zeugnisübergabe erfolgte in zwei Gruppen – neben dem Abiturient durften zwei weitere Personen anwesend sein.

„So bedrückend all dies auch war, haben Sie viel Lebenserfahrung gesammelt – es gibt keinen Status Quo“. Von jetzt auf gleich könne alles anders sein. Unverhofft kommt oft, sagte Britta Sturm und appellierte an die daraus erwachsene Gestaltungskraft, denn mit dem Abitur eröffneten sich individuelle Chancen für die weitere Lebensgestaltung: „Niemals aufstecken, nie sich einer Situation ohnmächtig hingeben“, mahnte sie. In der Ergebnisoffenheit sei die Neugierde Antriebsfeder und ein guter Wegbegleiter - der Ausblick sei für die Abiturienten ausgesprochen gut. Mit den Attributen Chance, Option, Risiko, Ohnmacht, Neugier und Ausblick buchstabierte sie Corona – „Corona und ihr Abitur – auf immer verbunden“. Teils sehr emotional gab sie ihnen gute Worte mit auf den Weg.

Vor acht Jahren begannen die beiden Klassen mit 52 Schüler, jetzt gingen 27 durchs Ziel, elf Gymnasiasten schrieben Einser Noten. (Wir berichteten bereits). In der Abizeitung sind 14 Einsteiger und 39 Aussteiger namentlich erwähnt. Stadtbürgermeister Michael Greiner nannte das Abitur etwas ganz Besonderes und beglückwünschte alle Anwesenden und das EFG, das Kurs gehalten habe.

Für die Schülerschaft erinnerten mit Tarot-Karten Jahrgangsbeste Lisa Dreher aus Monzingen und Physik-Ass Jan Luca Neff an diese Zeit; - für die Elternschaft las Prof. Dr. Klaus Blaum aus dem dicken „G8-Buch mit Happyend“ und ließ die acht Jahre mit pädagogischen Klassenfahrten und Stationen Revue passieren. Blaum dankte dem Kollegium und Britta Sturm, dass sie souverän den letzten Akt der Schüler begleitete. Der Pysikprofessor und Direktor des Max-Blank-Instituts in Heidelberg rief den Pennälern zu, „stets den Glauben an die eigenen Fähigkeiten zu bewahren" und niemals aufzugeben.

Stammkursleiter waren Philipp Leopold und Sarah Biczysko, die in Anlehnung auf das Abi-Motto „Las Vegas“ als zwei Joker bezeichnet wurden. Letztere hielt seitens der Lehrerschaft ein Resümee und fragte, „Was habt ihr in acht Jahren über Euch gelernt?“. Humorvoll-heiter zogen viele Marotten zwischen Pubertät und Aufmüpfigkeit, zwischen moralischem Kompass, hierarchischen Strukturen, Konflikt und Konfrontation samt „Inventar-Vermöbelung“ vorüber, wobei es galt, „die Selbstständigkeit heraus zu kitzeln“. Im Nachhinein leichter gesagt als getan, denn es gebe nicht die eine Wahrheit oder eine Lösung. „Es kommt nicht darauf an, auf, oder in die Dinge zu schauen, sondern es kommt darauf an, Dinge zu durchschauen“, sagte sie. Anders als in der fünften Klasse L´etat, c´est moi („Ich bin der Staat“) müsse heute diese Haltung lauten: Demokratie, Pluralität und Toleranz.

Mit einem ganz starken und emotional-berührenden schwarz-weiß Musikvideo (Mark Forster: „Die Welt ist klein und wir sind groß“) überraschten Sängerin Neele Tamina Flügel, Keyboarder Jan-Luca Neff und an der E-Gitarre Nick Domke. Passende Kulisse war die felkestädtische Ziegelei – Beifallsstürme waren verdienter Lohn für eine astreine und wahnsinnig tolle Performance.

MSS-Oberstufenleiter Mathias Orth entführte als pfiffiger Croupier die Eltern in die glamouröse Parallelwelt zwischen Glücksspielerparadies und dem EFG: Wegen Corona sei der Jahrgang „die Krönung. Fabelhaft habt ihr mit eurem Pokerface den Jackpot geknackt!“, rühmte Orth. Fernab des EFG-Casinos im Las Vegas-Bad Sobernheim wünschte er den „Gamblerinnen und Gamblern“ viel Erfolg, Stärke, Geist, Empathie, Ausdauer und das berühmte Quäntchen Glück. Marie-Christine Löffler von der Fachschaft Religion überreichte allen Abgängern Briefe, so genannte Zeitkapseln, die sie vor sieben Jahren, taggenau exakt am 26.Juni 2013, an sich selbst und ihr zukünftiges „Ich“ im Jahr 2020 adressiert hatten.

Die Zeugnisübergabe am EFG in zwei Gruppen avancierte im Rahmen der erlaubten Möglichkeiten zu einer kleinen Feierstunde.


MSS-Leiter Mathias Orth

Prof. Dr. Klaus Blaum

glückliche Eltern

Die beiden Gruppen der...

... Schulabgänger 2020.