Landwirte fragen: Wer schützt die Umwelt vor den Umweltschützern?

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Fotos unten TEXTENDE. Becherbach. Agrar- und Verbandspolitik sowie die Wetterkapriolen mit Überflutungen waren bei der Tagung des Bauern- und Winzerverbandes an Nahe und Glan abendfüllendes Thema. Nach einer Bestandserhebung „über kein gutes Jahr mit Milchpreisen im Keller und langen Gesichtern bei der Getreideernte“ ging Kreisvorsitzender Johannes Thilmann hart ins Gericht mit Verbraucher-, Tier- und Umweltschutz: „Die Phantasie der 68-er Gutmenschen kennt im Komplex Tierschutz und Tierwohl keine Grenzen, uns neue Vorschriften zu diktieren“, klagte er. Längst gehe es ideologisch geprägt und ohne gesunden Menschenverstand nur darum, Themen zu besetzen, damit Spenden für Nabu, BUND, Peta und Co. fließen, wetterte Thilmann. Er berichtete, dass der Anteil der Biolandwirtschaft steigt. Als Bauernverband sei man neutral. „Bio oder konventionell hat nichts mit Gut und Böse, mit Moral oder Ethik zu tun“, es sei ein Angebot als Geschäftsmodell.

Was ihn fuchste war eine „anmaßende Überplanung des ganzen Landes mit lauter Gebots- und Verbotszonen“, und beim Wasser- und Hochwasserschutz konstatierte er: „Bei Letzterem kann man von Schutz nicht sprechen: Lass` Gottes Wasser über Gottes Land und das der Bauern laufen und tu nichts!“, laute die Devise, wetterte Thilmann. Zwei Faktoren beherrschten seit Urzeiten den Bauernstand: Die Preise und das Wetter – „Politik und der Staat sind fehl am Platz und können es nicht!“

Von der Landwirtschaftskammer referierte Ralph Gockel über die Gewässer. Der so gescholtene bekannte, überall wo er hinkomme, „sieht Begeisterung anders aus“. Sowohl die beiden Bärweiler Bürgermeister Günter German und Horst Scherer wie aus Heimweiler Jens Bender und Rudolf Horbach hinterfragten sinngemäß: „Wer schützt unsere Umwelt vor den Umweltschützern?“. Becherbachs Alt-Ob Werner Barth sah das ganze Großbachtal bis Kirn als zu wucherndes Biotop und erinnerte an Weiden und Wildwuchs, die ein Bürger auf seinem Eigentum entfernte und 5.000 D-Mark Strafe zahlen musste. Die Landwirtschaft habe keine Lobby mehr, und als Betroffener sei man viel stärker tangiert.

Problem der Hochwasser-Politiker und Zuschauer sei schnelles vergessen, sagte Ralph Gockel. Insider berichteten von einem Vierklang: Landwirtschaft, Wasserwirtschaft mit ihren drei zuständigen Gewässerordnungen, Naturschutz, der Renaturierung will und letztlich der Kommune vor Ort, die in der Regel unterhaltspflichtig ist. In diesem komplexen und zerstrittenen Spannungsfeld werde die Verantwortung hin- und hergeschoben. Zu viel Aktionismus sei fatal wie zu wenig, was dann zu Versandung und Verlandung der Drainagen, zu Bachüberläufen und zu Mäanderflächen führe.

Kreisgeschäftsführer Werner Küstner berichtete von Gemeinsamer Agrarpolitik (GAP-Reform), über aktuelle Änderungen in der Sozialversicherung, von völlig überbordender Bürokratie („schlimmer geht’s nimmer“) bei der Antragstellung für Agrardiesel, der Hofab- und –Übergabe Klausel, sowie der Rente mit 63 und den Sozialwahlen mit sechs Listen bundesweit. Kurzfristig Beschäftigte dürfen jetzt maximal 90 Tage bei einem Mindestlohn von 8,60 Euro ab 1.Januar 2017 arbeiten. Ganz wichtig: Auch die bäuerliche BG-Unfallrente fällt ohne eigene Vorsorge gering aus, der zugrunde liegende gesetzliche Anspruch basiert auf einem Jahresarbeitsverdienst von lediglich 11.911,25 Euro.

 

IM DETAIL: Info-Veranstaltungen über Agrar- und Verbandspolitik sind sehr beliebt: In Rehbach kamen über 60 Interessierte –das dritte Treffen findet am 31. Januar in Desloch statt. Die Bauernstammtische am 6. Februar in Raumbach und am 14. Februar in Rehbach gelten als Fortbildung in Sachen Sachkundenachweis nach dem Pflanzenschutzgesetz. Bei der 61. Bad Kreuznacher Wintertagung wird am 3. Februar um 14 Uhr Landwirtschaftsminister Volker Wissing erwartet.

Zum Foto: Bei abendfüllenden Themen in Becherbach: Gastgeber und „Ob“ Frank Schätzel (von rechts), Kreisvorsitzender Johannes Thilmann, Ralph Gockel von der Landwirtschaftskammer, Kreisgeschäftsführer Werner Küstner und Sachbearbeiter Johannes Lenz.