Dragster-Rennen über 402,34 Meter in Pferdsfeld Mekka für Motorsportfans!

Kategorie: Bad Sobernheim, VG Sobernheim, Kreis KH, Lokale News an Nahe und Glan, Soonwald, Highlights, Lifestyle

 

Fotos unten anklicken-Pferdsfeld. Zwei Tage lang war die Start- und Landebahn das Mekka für 80 Teams, die dem Motorsport und dem Rausch der Geschwindigkeit auf der Viertelmeile frönten – erstmals präsentierte sich die spektakuläre Dragster-Szene in Pferdsfeld.

Während der Ursprung dieser reinen Beschleunigungsrennen mit frisierten Motoren  im Nachkriegsamerika angesiedelt war und boomte, herrschen hierzulande klare Regeln von der verbindlichen Fahrzeugabnahme über ein zertifiziertes Helferteam mit Expertise und einer lasergesteuerten Zeitnahme, die in die Motorsport Bestenliste eingepflegt wird. Beim Dragster-Rennen geht es nicht allein um Beschleunigung und Pferdestärken, sondern in gleichem Maße um aerodynamische Feinheiten. Durchdrehende Reifen (Burnout) sorgen für Bodenhaftung und Grip auf dem Asphalt und sollen das Gegenteil („Up in Smoke“), quasi viel Rauch um Nichts, verhindern.

Die  Start-und Landebahn auf dem Fliegerhorst Pferdsfeld wo einst die legendäre „Schinderhannes Airlines“, das Jagdbombergeschwader 35 stationiert war und genau vor 20 Jahren mit Phantom-Kampfjets ihren „Fly Out“ nach Laage bei Rostock antrat, sei geradezu prädestiniert und habe für derlei Motorsportevents viel Potential.

Ein Anrufer aus Seesbach fragte bei der Bad Sobernheimer Feuerwehr nach, ansonsten waren Teilnehmer wie Zuschauer total begeistert“, lobte Organisatorin Silke Beer. Sie wohnt in Höheischweiler bei Pirmasens, arbeitet als  Umweltschutzspezialistin seit über 30 Jahren bei den amerikanischen Streitkräften im Büro in Kaiserslautern und veranstaltete 14 Jahre lang diesen Motorsport auf dem Flughafen Bitburg. Nach dessen Verkauf und strategischer Neuorientierung bestehe derzeit ein Vakuum  – mit der Trierer Unternehmensgruppe Triwo wurde sie einig. Am vergangenen Montag hatte VG-Bürgermeister Rolf Kehl den Kontrakt unterzeichnet und grünes Licht gegeben. Für die motorsportbegeisterte Dragster-Familie ein absoluter Segen, freute sich Beer.

Geräuschlos und effektiv arbeitete ein eingespieltes Team: Starter war Andreas Dierking aus Osterholz bei Bremen, der ein eigenes Dragster Racer- Hochglanz Magazin herausbringt, oder Moderator und Dragster-Koryphäe Benni Voss, bekannt in der Szene als „schnellste Schnauze westlich des Urals“, der jeden Starter aus dem Effeff kennt, das Publikum mit Inputs und einer Flut an Informationen fütterte, und auch das NitrolympX am Hockenheimring kommentiert.

Einzig die Spitzenelite hätte sich etwas mehr Grip gewünscht: Claude Knopf aus der Schweiz steuerte einen 1100 PS Camaro und schwärmt von der Faszination, die durch Mark und Bein geht und warum es sich lohnt, Tage und Monate mit viel Liebe, Hingabe und Freude zu schrauben: „Für die paar Sekunden stellen sich alle Haare - alles wummert und vibriert. Dragracing ist ein unterapierbarer Virus“, sagte er - sei wie Benzin im Blut und eine Lebenseinstellung. Von der freiwilligen Feuerwehr Bad Sobernheim hatten Thomas Hillenbrand, Niklas Küstner und Nils Spahn am Samstag Dienst – das Trio war vom Renngeschehen und reibungslosen Ablauf fasziniert.

„Das hast du sauber hingekriegt, Schätzchen“, lobten Martina Chojnacki und Thomas Joswig aus Frankfurt das Organisationsteam „1on1-motorsports.de“ mit Silke Beer. Joswig ist unter dem Pseudonym „Doc Funnybike“ in der Szene bekannt. Beer sei profundes und seriöses Veranstaltungstalent- in Pferdsfeld stimme alles, lobten die Piloten unisono: Das Wetter, die Auslaufzone, Organisation und Location und dass problemlos eine separate Rückführstraße vorhanden sei. Aber: Dies war nur ein erster Testlauf – Silke Beer schwärmt von mehr: Einer Marktmeile mit regionalen Anbietern, mit Dienstleistern, mit Landfrauen-Cafe oder der örtlichen Feuerwehr als Hähnchenbraterei – zum Beispiel.

Rod Barn steuerte einen 1927-er Oldie-Essax mit über 300 PS, das mit dick verschweißten Nähten so rustikal verrostet war, dass es schon wieder ein schöner Hingucker war. Überhaupt die alten Straßenkreuzer und Amischlitten: Dodges, Ford Mustang, Chevrolet Camaro, Plymouth Roadrunner, Pontiac Firebird trans-Am waren optisch aufgemotzt und mit ihrer Geräuschkulisse wie die zahlreichen Porsche, BMW oder Audi ein Augen- und Ohrenschmaus. Und von wegen VW Käfer: Über 30 starteten im Wettbewerb um Pokale, einer aus Wesel mit 1000 PS, entsprechend ist die Viertelmeile mit seinen 402,34 Metern keine Hexerei- nur Sekunden vergingen, da war das Teil außer Sichtweite: Ein 500 PS VW-Käfer mit 188 Sachen Topspeed in weniger als 12 Sekunden auf der Viertelmeile. Wahre Schätzchen waren mehrere tiefergelegte straßenzugelassene Ford Pickup-Tracks, die mächtig etwas daher machten und von Michael Gräff und Roland Künzel aus dem Rheinischen um Köln gesteuert wurden. Zahlreiche KH-Kennzeichen waren zu sehen – sie fahren alle lieber auf Pferdsfeld als nach Bitburg. PS-starke tip-top gepflegte Achtzylinder Sportwagen aus Rüdesheim; - der 17-jährige Felix aus Bad Sobernheim steuerte einen BMW M 6 G-Power mit fast 850 PS.

Natürlich waren auch Motorräder oder die typischen zigarrenähnlichen klassischen Top Fuel Dragsters mit langem Radstand und Bremsfallschirmen am Start.

Zu den Fotos:  Daumen hoch: Horst Schön aus dem pfälzischen Meckenheim steuerte das ganz neu aufgebaute Top-Methanol Funny-Car mit 2.800 PS, zweite von links hinten Organisatorin Silke Beer. Ein Funny-Car erhält eine futuristische Karosserie aufgesetzt.


Zu den Fotos siehe

fettgedruckten Text