Zum Goldenen Hirschen: Unter Martinsteiner Felsen röhrt wieder ein Hirsch

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Fotos Textende unten. Martinstein. Zurück zu den Wurzeln – „…back to the Roots“, treffender lässt sich die ehemalige Picard-Hotel/Restaurant Neueröffnung direkt an der B 41, Hauptstraße 80, nicht umschreiben. Bereits 1898 existierte mitten in Martinstein neben dem Bahnhof unter mächtigen schattenspendenden Kastanien das „Gasthaus zum Goldenen Hirschen“. Als Mitte der 1950-er Jahre die heutige B 41 ausgebaut wurde, war der „alte Hirsch“ in die Jahre gekommen und musste weichen. An der Rückseite entstand ein Neubau, den später jahrzehntelang Anton Picard übernahm und zu einem Genusstempel gepflegter Gastlichkeit werden ließ. In den 1990-er Jahren übernahm seine Tochter Karin Kirsch mit ihrem Mann das Hotelrestaurant, erweiterte es und führte es sehr erfolgreich in die Gegenwart. „Zu allen Zeiten hat das Haus einen exzellenten Ruf und seine Wirtschaftlichkeit unter Beweis gestellt“, nennt Besitzer Stephan Brendel seine Philosophie und Bewegründe, warum er das Anwesen 2016 kaufte, von Grund auf ein Jahr lang aufwändig modernisierte, und jetzt als Hotel-Restaurant unter dem Namen „Gasthaus zum Golden Hirschen“ öffnete.

Stephan Brendel und seine private wie geschäftliche Partnerin Katharina Bauer haben nach dem Kauf ganz viel Herzblut investiert, fleißig an Wochenenden und mit viel Liebe ins Detail modernisiert, historische Tradition und Moderne verbunden – ständig waren in mehreren Gewerken hiesige Handwerksfirmen präsent und am Werkeln; - Picard erfuhr quasi eine „Rosskur“: Außenfassade, Gästetoiletten, sanitäre Anlagen und Küche mit Fettabscheider sind nach modernsten Standards wie die urige Theke in das gesamte Interieur samt Antiquitäten und Biedermeier-Bilder an den Wänden wie der Echt-Holzfußboden neu. Straßenlärm ist dank Schallschutzfenster kaum wahrnehmbar und völlig unbedeutend – für ein behagliches Wohlfühlambiente sorgt handwerklich gefertigtes, massives Nussbaum Mobiliar im Jugendstil des 19. Jahrhunderts. Die ersten Stammkunden und Nachbarn fühlten sich auf Anhieb wohl und sprachen von einem „Wow“-Effekt.

Stephan Brendel ist Caterer und Inhaber von „Koch.art GmbH“, die er 2009 gründete und ständig ausbaute. „Aber sein Herz, Hobby und Leidenschaft hängen am a´-la-Carte-Restaurant und an der Gastronomie, wo sofort das handwerkliche Metier und Kunden-Feedback da ist, weiß seine Martinsteiner Küchenchefin, Jasmin Kalkbrenner, die von der ersten Stunde seit 2009 Koch-Art Mitarbeiterin und gute Seele ist. Bis 20 Mitarbeiter werden beschäftigt, mehrere Betriebsrestaurants betrieben oder Kitas beliefert; - außerdem besitzt Brendel in Bad Sobernheim das Event-Haus „Alte Apotheke“ am Marktplatz 9.

Kunden werden bei Familienfeiern, für private oder geschäftliche Anlässe ab 30 Personen gerne beliefert. Weitere Räumlichkeiten stehen in der komplett neu renovierten, 300 Jahre alten ehemaligen Barockapotheke mitten im Herzen der Felkestadt bereit. Oft werde er gefragt, warum dort nicht geöffnet ist, erzählt der 54-jährige gebürtige Bretzenheimer, der sein Metier von der Pike auf im Kurhaus Bad Münster erlernte. In Bad Sobernheim stehen im historischen Ambiente Räumlichkeiten für sich zu 60 Personen bereit, und hier werden Kühlung, Küche und Keller als sinnvolle Symbiose für Partyservice, Familienfeiern an der ganzen mittleren Nahe oder als Eventhaus für größere Gesellschaften genutzt.

Die Küche im Martinsteiner Gasthaus „Zum Goldenen Hirschen“ tischt Fleisch aus der Region und heimische Soo-Nahe-Produkte auf – selbst beim Thunfisch-Carpaccio findet der Gast mit dem „Hunsrücker-Gold“ (Raps-Öl) einen Bezug zur Region. Eine kleine Speisenkarte wird regelmäßig mit Tagesempfehlung erweitert. „Qualität mit Brief und Siegel. Frisch hergestellt mit Herz und handgemacht“ sei selbstverständlich und mehr als gehobene Landhausküche, sagt die gelernte Köchin Jasmin Kalkbrenner. Serviceleiter ist der gelernte Hotelfachmann Patrick Kuttler, der im Parkhotel Idar-Oberstein seine Ausbildung absolvierte und nach Wanderjahren in Bad Bertrich, in Restaurants und Pizzerien auch bei Sternekoch Renato Manzi arbeitete, Chef Stephan Brendel bildet auch Nachwuchskräfte aus – ist zertifizierter Ausbildungsbetrieb.

>Geöffnet ist von Mittwoch bis Sonntag von 11.30 bis 14 Uhr und wieder ab 17 Uhr. Das Lokal bietet 100 Plätze, 40 außen im Biergarten. Neun Doppelzimmer und zwei Einzelzimmer, die zum Dreibettzimmer aufgestockt werden können, sind an dieser strategisch günstigen Lage elementares Standbein.

>>ZUM Goldenen Hirschen: Im ausgehenden 19. Jahrhundert war Martinstein ein ruhiger idyllischer Ort, geprägt von urbanem Leben mit Weinbau, Handwerksbetrieben und Landwirtschaft. Die schmale gepflasterte Hauptstraße führte durch den Ort, wo Ochsenfuhrwerke landwirtschaftliche Produkte und Waren transportierten und Pferdefuhrwerke Kirner Bier ausliefern, denn der neu erbaute Bahnhof und das Hotel der Familie Schuster locken erste Touristen und Feriengäste an. Eine Postkarte aus dem Jahr 1898 und alte Ansichten in der engen Bebauung zeigen den damaligen Besitzer H.W. Harbert des „Goldenen Hirschen“ in seiner lauschigen Gartenwirtschaft.


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