Simmertal - Gaia plant 4 Windräder Richtung Pferdsfeld...

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FOTO Unten Textende anklicken. Simmertal. In Sachen Windenergieanlagen (WEA) luden Ortsgemeinde und das Lambsheimer Unternehmen Gaia mit Projektleiter Vladimir Radik und Roberto Andreula an der Spitze zu einer Infoveranstaltung des geplanten Windparks Simmertal ins Bürgerhaus ein. Moderator und Mediator war Hanspeter Lanz - externe Experten boten Information, Fachberatung und individuelle Auskunft aus erster Hand.

Mit fünf Mitarbeitern war die Firma Gaia präsent, um in projektspezifischen Themen wie Planung, Schattenwurf, Flächennutzungsplan (FNP) und Realisierung Rede und Antwort zu stehen. Das Planungsbüro „Neuland-Saar“ aus Nohfelden hatte einen Infostand in Sachen Artenschutz, Flora und Fauna im Projektgebiet aufgebaut; - das Thema Schall beantworteten Fachleute vom Ingenieurbüro Pies aus Boppard.

„Mit uns die Energiewende naturverträglich gestalten“ lautete das Eingangsstatement einer „lobbyfreien und zu 100 Prozent vom Bundes-Umweltministerium finanzierten Kompetenzzentrum Naturschutz und Energieende“, KNE, wie Elisabeth Hartleb aus Berlin betonte. Sie und das KNE verstanden sich als Ansprechpartner in Sachen Konfliktbewältigung, Prozessbegleitung inklusive Versachlichung der Debatte Energiewende. Überhaupt sollte es bei der Infoveranstaltung bei aller Wertschätzung und Respekt der eigenen Meinung darum gehen, „Sand aus dem Getriebe zu nehmen, dass man sich hinterher in die Augen schauen kann“ und das Miteinander im Dorf floriere, war Kernaussage des Mediators Hanspeter Lanz. Und: Energiewende ist immer Eingriff in die Natur.

 

Mit einem weiteren 25-minütigen Vortrag unter der Überschrift „Klimaschutz und Energiewende- von global zu lokal“ mit elementaren privilegierten Grundsätzen, wie sie gesetzlich bei Bund und Land verankert sind, informierte der Regionalreferent Mittelrhein, Paul Ngahan aus Bad Kreuznach, von der Energieagentur Rheinland Pfalz. Dabei kristallisierte sich in Sachen globaler Erderwärmung und Klimaschutz mit weltweit gesteckten Ziele in Sachen CO² Einsparung ein schwieriges Feld heraus. Paul Ngahan nannte 53 WEA im Landkreis Bad Kreuznach und weitere 15, die genehmigt seien. Das Land Rheinland-Pfalz plane eine Verfünffachung der Stromerzeugung aus WEA bis 2020 (gegenüber 2010).

Von der Firma Gaia ließ Vladimir Radik den bisherigen Planungsstand, die Infrastruktur und das Prozedere seit der Übernahme der Eignungsfläche von Juwi im Jahr 2014 Revue passieren. Bekanntlich stimmten damals die Ortsgemeinderäte von Simmertal, Horbach und Brauweiler mit großer Mehrheit für Windräder. Gaia plante anfangs acht WEA, dann sechs und aktuell sind es drei WEA, je nach Windparkkonfiguration plus einer weiteren Anlage, maximal also vier WEA. Folien zeigten Abstände zu den Wohngebieten, die Strom-Kabeltrasse nach Monzingen, die Zuwegung über die A 61, B 41, K 20, L 229/L230.

Nach der 80-minütigen Einleitungsrunde sah es das Reglement vor, dass sich die anwesenden Bürger bei den externen Experten an den acht Stellwänden detailliert informierten und danach quasi in einem „Marktplatz der Möglichkeiten“ austauschten. Eine Podiumsdiskussion war ausdrücklich nicht erwünscht, es sei kein Dialog-, sondern ein Informationsprozess. Norbert Pinne stellte dennoch die erste Frage: „Ist die Firma Gaia Projektentwickler oder Betreiber der Windanlagen, und was erhält die Gemeinde Simmertal finanziell?“ Der Hunsrück sei voller WEA, der Alzeyer Raum ebenfalls – die neutralen und anwesenden Institutionen müssten hier in Simmertal für Windradfrei plädieren, sagte er sinngemäß. Ortsbürgermeister Werner Speh erwiderte, dass diese Fragen zum jetzigen Zeitpunkt deplatziert-verfrüht sei und nicht beantwortet werden könne. „Du warst vor Jahrzehnten Ratsmitglied und hast seinerzeit für Windräder gestimmt“, hielt ihm Speh entgegen. „Wir wollen niemanden mundtot machen, aber in eine Podiumsdiskussion polemisch reinschreien, geht gar nicht“, war das Dorfoberhaupt um eine sachliche Debatte bemüht, denn:

Im Vorfeld übersandten namentlich Wilfried Fuchs und Norbert Pinne für „verschiedene Bürger der Ortsgemeinde Simmertal und umliegender Gemeinden“ eine Depesche an die Gemeinderatsmitglieder. Tenor und Inhalt dreier Anlagen aus der Ortsgemeinde Weisenheim am Berg, einer SWR-Reportage vom 22. September 2017 „Donnersbergkreis verzockt sich mit Windrädern“ und einem Rechenbeispiel aus Niederwallmenach (Taunus): „Ausreichende Information insbesondere der Wirtschaftlichkeit der Windräder zweifeln wir an, da die staatlichen Einrichtungen… die aktuelle Situation nicht objektiv darstellen werden“. Zitatende.

Die Hälfte der Anwesenden zeigte wenig Interesse an geballter Fachkompetenz mit acht Stellwänden und verließ nach der ersten Info-Runde das Bürgerhaus. „Schade, Chance vertan, denn im kleinen Kreis wären alle Fragen, auch das Finanzielle, beantwortet worden“, äußerten zahlreiche Ratsmitglieder am Ende des Tages.

„Entschieden ist rein gar nix – wir befinden uns in einem ganz frühen Stadium“, erläuterte Werner Speh auf Nachfrage. Er sei offen, könne ohne Windräder leben. Andererseits müsse man, um die Gemeinde am Leben zu erhalten, sich um Einnahmen kümmern. Der Ortsgemeinderat werde entscheiden, ob der VG-Rat mit seiner Entscheidungshoheit über WEA und der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes beauftragt werde. Zustimmung ungewiss – ein VG-Vertreter war nicht anwesend, Genehmigungsbehörde ist letztlich die Kreisverwaltung.

>>>Gaia-Projektleiter Vladimir Radik bekundete quasi in Verlängerung zu den Pferdsfelder WEA höchstes Interesse und stellte den weiteren Zeitplan vor: Nach diesem Abend müsse sich im zweiten Quartal 2018 Orts- und VG bezüglich Fortschreibung des FNP erklären. Im dritten Quartal 2018 sei die Fertigstellung der Gutachten mit Einreichung des Genehmigungsantrags geplant. Dann laufe bis ins 3.te Quartal 2019 das Genehmigungsverfahren, die Einreichung des Antrages mit Ausweisung der WEA-Fläche im FNP. Ab 4. Quartal 2019  bis 3. Quartal 2020 könne das Ausschreibungsverfahren und die Realisierung sowie die Errichtung der WEA und Inbetriebnahme des Windparks Simmertal laufen.


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