Rolfs Schüssel eierte wie Galypso auf dem Jahrmarktsrummel

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Fotos am txt.Ende UNTEN-Bad Sobernheim. Die jüngste Feuerwehrübung Im Juni 2018 an der Museumsgaststätte offenbarte ungeahnte Tücken – und bot viel Stoff für eine konstruktive Manöverkritik. Denn was nützt die neueste Satellitentechnik, wenn „die Schüssel“ auf dem neuen Einsatzleitwagen („ELW“) namens Rolf hektisch herumeiert und sich rundherum dreht, wie ein Karussell auf dem Jahrmarktsrummel – gleichzeitig der Digitalfunk im Nachtigallental an seine Grenzen stößt, krächzt, und der Funkempfänger eklatante Aussetzer hat wie das Handy. Dies führte bei der Anfahrt und Einweisung der Feuerwehrfahrzeuge zu hektischer Betriebsamkeit. Während des gesamten Einsatzes hatte der ELW keinen Empfang, null Kommunikation war möglich. Quintessenz daraus: „Wir müssen rundfahren und den Empfang ausloten, wo wir die Einsatzleitstelle im Ernstfall einrichten können und dies genau dokumentieren und hinterlegen“, teilte Stefan Müller mit.

Das chaotische Übungsszenario an der Museumsgaststätte war realitätsnah. Durch Kurzschluss im Stromkasten im Erdgeschoss ist das Treppenhaus zum ersten OG abgebrannt, die Feuerwehr kann nur von außen ran und muss zwei Personen retten. Ausgearbeitet hatten die Übung Rüdiger Frenger und Stefan Müller von der Freiwilligen Feuerwehr.

Aus zwei stark qualmenden Fenstern im Obergeschoß riefen die eingeschlossenen Komparsen Andreas und Hajo Nitsch lauthals um Hilfe: „Hallo? Ruft doch mal die Feuerwehr!“- und beim Eintreffen wurden die Hilferufe dramatischer und heißer, bis die Stimme versagte: „Wo bleibt ihr denn, wo fahrt ihr denn hin, seht ihr mich denn nicht?“. Im Ernstfall hätte der Zuruf von Sohnemann Justus Nitsch zu seinem Vater Hajo wenig genützt: „Keine Sorge Papa, ich hab` alles auf Handyvideo“.

Zur Übung war die felkestädtische Stützpunktfeuerwehr mit Unimog, den neuen Löschgruppenfahrzeugen HLF/10 und LF 20 und dem Mehrzweckfahrzeug mit der Komponente Wasserversorgung ausgerückt – mehr als 23 Wehrleute konnten am Freitagabend nicht mobilisiert werden, berichtete Stefan Müller. Das Wasser aus dem Hydrant am Schul- und Backhaus Neuwied Heddesdorf, der aus dem Hochbehälter im Wald gespeist wird, reichte aus. Bei größerem Bedarf für eine umfassende Brandbekämpfung kommt jedoch nicht genügend Wasser aus dem Standrohr; - müssten weitere Hydranten oder eine Wegstrecke bis zur Nahe gelegt werden.

Bewusst wurde das Anleitern und Übersteigen mit Personenrettung unter erschwerten Bedingungen gleich an zwei Fenstern mit Erstversorgung durch Atemschutzgeräteträger und gleichzeitiger Wasserversorgung innen und außen im Gebäude parallel an zwei Hauswänden geprobt – das Übungsszenario war derart schwierig, weshalb weitere störende Zaungäste, „spontane Gaffer“ oder Handyfilmer sich „von sich aus“ zurückhielten und die Arbeit nicht erschwerten.


Hajo-Nitsch in Not!

Andreas Nitsch: "Hallo?!"

Anleitern äußerst schwierig

Viele Zaungäste kamen

"ELW Schüssel Rolf" (links) wurde erst im Mai gesegnet!