"Wolfskind" - Nix für schwache Nerven - Martina Decker las in Synagoge

Kategorie: Kunst und Kultur, Media & Buchtipp

 

Kreis-Bad Sobernheim. Mit Martina Decker las erstmals in der neuen Synagoge zwischen 8000 Bücher und Schriften eine bekannte regionale Autorin aus ihrem Debütroman „Wolfskind“. Gute Feen um den Leiter des Büchereiteams Gerhard Mietzker schufen bei duftendem Glühwein eine heimelige Atmosphäre für genau jene lange Winterabende;- trotz heftigem Schneefall wohnte eine große Schar Zuhörer der Lesung bei. Es geht um Magda, eine herzensgute und fleißige Frau, die grundsätzlich an die falschen Männer gerät. Nach ihrem Techtelmechtel wird sie mit Sohn Leon sitzen gelassen. In Obermoschel, dem Tor zur Nordpfalz, findet sie Arbeit und gerät an den nächsten charmanten Bewerber, der ihr den Hof und in der Hackenheimer Rheinhessenhalle einen Heiratsantrag macht. Die Geschichte spielt um Bad Kreuznach und Bretzenheim. Magda gebärt Zwillinge, und das Martyrium für den unehelichen Leon nimmt seinen Lauf. Im fensterlosen Kellerverlies wird die Saat unbändigen Zorns gesät. Bei diesem Debütroman handelt es sich um die Fortschreibung einer ursprünglich als Wettbewerbsbeitrag begonnenen Kurzgeschichte mit dem Titel „Mord in der Nachbarschaft“. Zwei Beta-Leserinnen und die Autorin selbst schliffen und feilten am Manuskript, bis der 204-seitige fiktive Roman „Wolfskind“ vorlag. Nichts für schwache Nerven, schwer verdauliche Kost, beklemmend und erschütternd. Fast ein Thriller. Auch eine Leiche wird gefunden, nachdem der Junge fliehen kann und vorbei am Michelin-Männchen ins Stadtlicht strebt, aufgegriffen und in die Simmerner Psychiatrie eingewiesen wird… Fehlende, soziale Kantakte, Gewalt, Isolation; - Kinder die so aufgewachsen sind, nennt man Wolfskinder. Authentisch und spannend wird häusliche Gewalt und Tyrannei detailliert in seinen Facetten beschrieben, wie sie in dieser erfundenen Scheinwelt tausendfach unter deutschen Dächern real existierende Wirklichkeit ist. Das sei das eigentlich Erschreckende an ihrer Geschichte, sagt Martina Decker, die den Ausgang ihrer Story offen lies. Das gebürtige Nordlicht hat es vor vielen Jahren an die Nahe „verschlagen“, wo sie als Ehefrau und Mutter ständig auf Achse und umtriebig ist, schreibt, kellnert und sich aktiv im Turnverein engagiert. Beruflich arbeitet die Autorin in Bad Kreuznach in einer Tagesförderstätte für schwerstbehinderte Menschen

Zu den Fotos: Freudig wurde Martina Decker von Hans-Eberhard Berkemann und Gerhard Mietzker (rechts) in der Synagoge zur Lesestunde empfangen. Sie interessierte sich auch für die neue Synagoge.

 


In der Synagoge

las Martina Decker