Meddersheim- Gerd Kannegieser im Zenit - Jubiläum

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Fotos Textende anklicken Meddersheim. Auf Einladung von Ortsgemeinde und Volksbildungswerk ist der Kabarettist und Autor Gerd Kannegieser jährlich in der Weinbaugemeinde gerngesehener Gast; - er soll möglichst bald wieder kommen, lud ihn Ortsbürgermeisterin Renate Weingarth-Schenk ein.

Drei Stunden Hochgeschwindigkeits-Kopfkino vergingen wie im Fluge. Der Wortakrobat und frühere Lehrer aus dem nordpfälzischen Hinzweiler wohnt heute wieder daheim in Kottweiler-Schwanden. Er überraschte und spulte mit hintersinniger Humoreske, Geistesblitzen und verqueren Gedankengängen quasi in einem „Best-Of“ aus 30 Jahren und 19 Folgen ein abendfüllendes und grandioses Programm ab, bei dem er selbst oft herzhaft lachen musste. „So war das früher“ wurde zum geflügelten Wort im neuesten Programm „Warum erzähl´ich eich das?“.

Dabei ließ der 61-Järige tief blicken, wie seine Karriere als Protestsänger, Liedermacher, Umweltverbesserer und poetischer Gedichtautor mit verdichtetem Sprachwitz und spätzündenden Pointen begann. „Kabarettisten sind Dummschwätzer“ sagten ihm seine Kinder. Er las aus längst vergilbten Blättern Hochkaräter wie „Fall net hin“, ganz leise übers „pischpere“, und spontan sang der ganze Saal lauthals mit ihm den Refrain Che sara zu einem Gassenhauer von ihm. Jene Flower-Power Zeiten, „..heute iss es der Wersching –morgen die Pershing“ und sein Vorbild Hans Dieter Hüsch, den er zum Schluss zitierte („Ich will ein Clown sein..“), haben ihn geprägt und geimpft – da glänzen seine Augen, da geht alles an ihm.

Dass er geschieden ist, ficht ihn nicht an. Nichts kann so schlecht sein, dass es nicht für irgendetwas gut ist - irgendwann passen die Fenster auch in die Waschmaschine. Ikeas Billy-Regal ist Feindbild No.1, genüsslich bekommen Köttbular, Twitter, I-Phone und das Internet ihr Fett ab. Sein Passwort ist „falsch“, denn immer, wenn er eins eingibt, gibt ihm der Rechner dieses vor.

Früher hat man „zusamme gegess un getrunk`, gelacht und verzählt, ausgang, geraacht und gefeiert – und heit?“ Es ist der Wandel in Jahrzehnten, den er brillant glossiert und zur Freude des begeisterten Publikums mit Häme und feiner Ironie füttert: Wenn vor 30 Jahren  jemand mit dem Handy fotografiert hätte, wäre er für immer eingesperrt geblieben. Es war die Zeit, „als Post und Telefon noch eins war“, als man für 1,20 Mark mit einem zehn Meter Kabel „mobil“ im Haus telefonieren konnte, als man sich zum Schmusen im Kino traf und nach fünfzehn Minuten die Hand in der Bluse verschwand. Wenn man wirklich einen Film von Silberbüchse und Henrystutzen, von Winnetou und Karl May, sehen wollte, ging man ohne Freundin hin. Kannegieser wie er leibt und lebt – der Moralapostel rezitiert durch seine Bühnen-Charaktere: Rinus-Walter „un sei Fraa Helga“, Köhler Hermann, Halter Fritz, Sammler Paul, es Kättchen und de Müller Kurt von der Bank.

Tipps, Tricks und Kniffe platziert der Mundartkabarettist clever zu intelligent vernetzten Haushaltsgeräten wie selbstreinigende Backöfen, sprechende Kühlschränke, automatische Rasenmäher und vorgefertigten Kaffeepads und gibt seinen Senf dazu. Gerd Kannegieser will sich im Alter treu bleiben: „Ich sehe doch auch, dass die Welt brennt und alle Volltrottel mit ölgetränktem Zeitungspapier löschen. Es ist halt nur ein kleiner Schritt von einem armen Schwein zur dummen Sau“, kann er sich einen Seitenhieb ins bayrische oder über den großen Teich nicht verkneifen.


Gestenreich mit starken Pointen

Mundartkabarettist Gerd Kannegieser